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Review | Mastodon - Blood Mountain

So. 22 August 2010

VÖ: 08.09.2006
Label:
Warner

Mastodon - Black MountainTroy Sanders (Bass, Vocals), Brent Hinds (Guitar, Vocals), Bill Kelliher (Guitar), Brann Dailor (Drums),

Tight, intensiv und technisch brillant. Das dritte Album der Band aus Atlanta löst alle Versprechen ein, die der Vorgänger Leviathan gab. 12 + 1 Tracks auf Blood Mountain zeigen MASTODON auf der vorläufigen Höhe ihrer Kraft. Produziert von Stamm-Producer Matt Bayles (Isis, Burnt By The Sun, Pearl Jam) toppt Blood Mountain alle Erwartungen um ein Vielfaches. Und das, obwohl Bands angeblich zum Mainstream werden, wenn sie zu einem Major gehen. MASTODON nicht. Blood Mountain ist ihr erstes Album für Warner Bros., und es bleibt unkonventionell.

Nicht nur unkonventionell, auch surreal, progressiv und heavy. Für Blood Mountain haben MASTODON ihre favorisierten Musikstile von Thrash bis Doom, von Prog bis Psychedelic Metal kombiniert, um etwas neues, originäres und verheerendes auf die Beine zu stellen.

"Das Album ist eine gute Kollaboration zwischen allen Charakteren und Individuen in der Band", so Sänger und Basser Troy Sanders. "Mir war immer klar, dass wir alle einzigartige Individuen sind, die zusammen eben eine Band formten, und wir haben uns zusammen getan, um eine Mahlzeit mit verrückten Zutaten zuzubereiten. Aber das wichtigste: Alles, was wir tun, ist rein und aufrichtig."

Das Album beginnt mit The Wolf Is Loose, einem Punk-Shout-Crossover par excellence und gleitet dann in den VoiVodesken SciFi-Metal von Crystal Skull hinein, das sich mit schwebenden Vocals auf einem Doom-Riff voranschiebt. Eine hintergründige Reverenz an Slayer, die durch eine wahnwitzige Serie von Wechselrhythmen, harten Wendungen und Beat-Überraschungen jagt. Und später Colony Of Birchmen, auf dem QOTSA-Chef Josh Homme mit dementsprechend melodischen Vocals zu hören ist.

Die Musik auf Blood Mountain ist nicht alles, was MASTODON von der großen Masse trendiger Metalbands unterscheidet, es sind auch die durchdachten Lyrics, die einen inneren Zusammenhalt geben. Wie schon Leviathan (2004), das von Kerrang!, Terrorizer und Revolver zum Album des Monats gekürt wurde, ist auch Blood Mountain ein Konzeptalbum im besten Sinne. Während Leviathan allerdings auf Herman Melvilles Roman "Moby Dick" von 1851 basiert, stammt der Plot zu Blood Mountain aus den Köpfen der Bandmitglieder selbst. Das Album erzählt die Geschichte eines Quests, der die Protagonisten auf den Blood Mountain führt, um einen kristallenen Schädel zu finden. Die Band muss den Gipfel erreichen und den Schädel in die Köpfe der eigenen Mitglieder einführen, um die "Reptilgehirne" in den eigenen Köpfen auszuradieren und zur nächsten Stufe menschlicher Evolution zu gelangen. Natürlich ist dieser Weg alles andere als leicht.

"Es passiert so ziemlich alles, was auf einem Berg so passieren kann", erklärt Drummer Brann Dailor, der die Texte mit Sanders und Brent Hinds schreibt. "Wir verirren uns, hungern, müssen unsere Nahrung selbst erjagen und essen. Wir geraten in einen Hinterhalt und wir treffen alle möglichen Kreaturen auf unserem Weg."

Die Kreaturen - sie machen die Reise MASTODONs so aufregend - und so cool. In The Wolf Is Loose fliehen die Jungs vor einem marodierenden Wolf, in Colony of Birchmen treffen sie auf eine Rasse kleiner Baumleute, die sich zusammen geschlossen haben und einen riesigen Baum-Mann bilden. In Circle Cysquatch stolpern sie über eine Gruppe von einäugigen Yetis. Aber gerade, als es so aussieht, als wollten die Sasquatch sie zerfetzen und fressen, zeigen sie Menschlichkeit und Intelligenz. "Es stellt sich heraus, dass sie wundervolle, liebvolle Kreaturen sind, und sie geben uns Schutz und mentale Kraft", erzählt Sanders.

Wenn es so aussieht, als hätten MASTODON zuviel "Herr der Ringe" gesehen, dann sollte man beachten, dass ihre Reise den Blood Mountain hinauf von ihrer DVD-Sammlung genauso beeinflusst wurde, wie von ihrer unkonventionellen Art zu leben. Und die phantasmagorische Qualtität ihrer Expedition spiegelt die unheimlichen Träume wider, die sie hatten, und die unterschiedlichsten Bewusstseinszustände, die sie in ihrem Leben durchschritten. "Ich wollte, dass sich das alles ein bißchen anhört wie auf Acid", meint Dailor. "Es gibt einen Abschnitt darüber, wie die Protagonisten ein paar Wurzeln essen und zu halluzinieren anfangen, bevor alles sehr eigenartig wird."

"In Siberian Divide werden wir von einer Schneeverwehung verschüttet, die von einem Abhang rutscht. Unsere Körper erleiden Hirnfrost und wir rasten völlig aus", so Sanders. "Wir halten unsere Handgelenke für Essen und fangen an, unsere Pulsadern für das bißchen verbliebene Wärme anzubeißen, bis wir verbluten."

Hinter all der psychedelischen Erzählung ist Blood Mountain eine Metapher für die Niederlagen und Triumphe, die MASTODON durchschritten, seit sie ihren musikalischen Kreuzzug begannen. Die Band formierte sich im Jahr 1999, kurz nachdem Ex-Lethargy und Ex-Today Is The Day-Mitglieder Dailor (dr) und Bill Kelliher (guit) von Rochester, New York, nach Atlanta gingen. Eines Abends, während einer High On Fire-Show, trafen die beiden auf ex-Four Hour-Bassmann Sanders und Gitarrist Hinds und machten sich einen Kopf über Underground-Metal.

"Wir kannten jeder die Vergangenheit des anderen ganz gut und waren alle Fans von Today Is The Day", erklärt Sanders. "Bill hatte unsere Band gesehen, als wir den Support für Neurosis spielten, als er 98 in Atlanta war. Er meinte, sie bräuchten einen Bassmann und einen Gitarristen, um eine Band zu gründen, und wir meinten: 'Okay, Dude, hier sind wir. Hell, yeah!' Drei Tage später trafen wir uns im Übungsraum, um zu probieren, ob die Vibes stimmen, und nach fünf Minuten war es eine beschlossene Sache."

MASTODON nahmen ihr erstes Demo im Juni 2000 auf und gingen mit Bands wie Cannibal Corpse, Queens Of The Stone Age und Morbid Angel auf Tour. Das Demo und ihre Top-Live-Shows sorgten für einen Deal bei Relapse rec. und im August kam die EP Lifesblood. Technisch komplex und brillant, rhythmisch interessant und mit treibenden Grooves versehen, verschaffte es MASTODON eine treue Fangemeinde - auch wenn die Jungs ihre Miete davon noch nicht bezahlen konnten. "Mann, die ersten zwei Jahre haben Bill, Brann und ich auf einer Couch gepennt und sind wie wahnsinnig andauernd auf Tour gewesen", erinnert sich Sanders. "Wir haben viel draufgezahlt und dieses Feuer in uns gehabt, das uns immer wieder zum Weitermachen gebracht hat. Da gab es etwas in unseren Hinterköpfen, das wusste, dass wir alles geben müssen, denn es könnte sein, dass wirklich etwas dabei rauskommt."

Im Oktober 2001 gingen MASTODON mit Producer Matt Bayles in Studio, um ihr Album-Debüt Remission aufzunehmen - eine überzeugende Mischung aus Hardcore, Progrock, Stoner-Metal und Southern Rock, die die Metalwelt wegblies. Aber es war die Kraft und pulverisierende Eleganz von Leviathan - wieder von Bayles produziert - die MASTODON im Jahre 2004 zu einer der höchstgelobten neuen Bands in ihrem Genre werden ließen. Und nicht nur die Metalszene zeigte sich begeistert, auch in der Gemeinde der Alternative Rocker schlug das Album ein. Der Metal Hammer zählte MASTODON zu den "50 Bands, die man kennen muss", Alternative Press zählt sie zu einer der „25 Most Important Bands in Metal" und das Revolver Magazin zu den "25 Greatest Live Bands Ever"; sogar der Rolling Stone brachte ein Profil der Band.

Nachdem sie im letzten Jahr dann auf dem Ozzfest gespielt hatten, machten MASTODON sich an die Arbeit für Blood Mountain. Fünfeinhalb Wochen schrieben sie unermüdlich Songs, zwei Wochen länger als für Leviathan. Die zusätzliche Zeit gab ihnen die Gelegenheit, vor den eigentlichen Aufnahmen Demos aufzunehmen - etwas, was sie vorher nie tun konnten - und mit der Technik zu experimentieren, um den Songs zusätzliche Sound zu geben. Circle Cysquatch enthält z.B. ein extremes Vocoder-Voiceover, Bladecatcher wartet mit jaulenden Vocals auf, die wie ein wütender R2D2 klingen, und Crystal Skull beginnt mit schepperndem Tribal-Drums, bevor das Riff den Song eröffnet.

"Das habe ich auf einer 250-Liter-Tonne gespielt, die ich vor dem Studio um die Ecke gefunden hatte. Da war ein Typ, der an seinem Auto bastelte, der hatte zwei Stück davon. Ich durfte mir eine ausleihen, wenn ich ihm versprach sie zurückzubringen. Ich habe 12 Tracks mit diesem Ding aufgenommen, das klingt wie eine fernöstliche Trommel. Es war großartig."

Von Mitte Februar bis Anfang April dauerten die Aufnahmen. Wiederum mehr Zeit, als MASTODON vorher je gehabt haben, aber diesmal war der Druck da, sein eigenes Erbe antreten zu müssen, und wieder hatte die Band das Gefühl, dass der Tag nicht genügend Stunden hat.

"Wir haben am Ende eines Tages immer dagesessen und uns angehört, was wir gemacht hatten. Wir sprachen darüber, welche Richtung ein Song nehmen sollte und was wir ändern müssten," so Sanders. "Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, die ganze Welt läge auf unseren Schultern. Wir wollten die coolstmögliche Musik machen und sicher gehen, dass wir es so gut wie möglich machen - dass jedes Riff, jede Note, jeder Schlag auf den Drums an der perfekten Stelle sitzt."

Am Ende hatten MASTODON ein Album aufgenommen, das musikalisch so ausgefeilt wie ursprünglich ist, eine Platte, auf der jede neue Passage - egal wie schnell oder langsam - zur Kulmination eines epischen Abenteuers beiträgt. Und die Vielfalt ist überwältigend. Capillarian Crest bewegt sich zwischen jazzig-fragilen Ranken und moshpit-erschütternder Wildheit und es klingt wie ein wütendes Amalgam aus Motörhead, King Crimson und Rush, Hunters Of The Sky ist ein wogendes Rennen mit Drums so tumulthaft, als säße Keith Moon dran. Pendulous Skin reicht bis in den Himmel und verbeugt sich in den Gitarren vor Deep Purple und Pink Floyd.
"Ich wollte tatsächlich Fingergymnastik und Gitarrenakrobatik auf diesem Album haben", bestätigt Hinds. "Es gibt hier mehr Soli als auf jedem anderen MASTODON-Album, aber jeder Part hat seine Berechtigung. Wir wollten einfach mehr draus machen als je zuvor."

Zusätzlich zu den instrumentalen Parts enthält Blood Mountain Vocals, die von melodischer Konversation bis zur aufgebrachten Schmährede reichen. "Wir sind schlau genug, um zu wissen, dass wir uns nicht durchgehend die Seele aus dem Leib schreien müssen," so Sanders. "Das ist nicht der Weg, den wir unter Weiterentwicklung verstehen. Es gab insgesamt mehr Raum und Möglichkeiten für unterschiedlichen Einsatz der Vocals. Und wir hatten keine Scheu davor, das auch auszunutzen, denn wir haben nicht das Gefühl, etwas falsch zu machen."

Mit Blood Mountain haben MASTODON einen neuen Gipfel erreicht, von dem aus sie weitere, und noch höhere Berge sehen können. Und die sind ihr nächstes Ziel. Ganz egal, wie viele Awards und Titelgeschichten auf sie zukommen mögen, das Ziel von MASTODON sind die nächsten Gipfel, dort den Schädel einzupflanzen und die nächste Stufe der Evolution zu erreichen. Nicht, dass sie all die Lobeshymnen nicht zu würdigen wüssten, aber sie sind einfach zu beschäftigt damit, das nächste Projekt anzugehen...

"Als wir anfingen, haben wir nicht erwartet, dorthin zu kommen, wo wir jetzt sind," erklärt Sanders. "Wir sind sehr dankbar und wir begrüßen alles, was bisher über uns gesagt wurde. Das alles ist sehr unwirklich. Ich hätte nie erwartet, dass wir Iron Maiden in Europa supporten würden oder auf einem Majorlabel landen, oder unsere vierte Tour mit Slayer spielen würden oder von einem Magazin als eine Band gelistet zu werden, die zu den 10 besten eines Jahres gehört. Das alles ist Teil einer verrückten Reise, die wir erleben, und wir fahren weiter vorwärts. Wir haben das Gefühl, dass da noch en langer Weg vor uns liegt."

Tracklist:

01. The Wolf Is Loose
02. Crystal Skull
03. Sleeping Giant
04. Capillarian Crest
05. Circle Of Cysquatch
06. Bladecatcher
07. Colony Of Birchmen
08. Hunters Of The Sky
09. Hand Of Stone
10. This Mortal Soil
11. Siberian Divide
12. Pendulous Skin 

Quelle: Pressetext

 



 

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