VÖ: 08.09.2006
Label: Warner
Troy Sanders (Bass, Vocals), Brent Hinds (Guitar, Vocals), Bill Kelliher (Guitar), Brann Dailor (Drums),
Tight, intensiv und technisch brillant. Das dritte Album der Band aus
Atlanta löst alle Versprechen ein, die der Vorgänger Leviathan gab. 12 +
1 Tracks auf Blood Mountain zeigen MASTODON auf der vorläufigen Höhe
ihrer Kraft. Produziert von Stamm-Producer Matt Bayles (Isis, Burnt By
The Sun, Pearl Jam) toppt Blood Mountain alle Erwartungen um ein
Vielfaches. Und das, obwohl Bands angeblich zum Mainstream werden, wenn
sie zu einem Major gehen. MASTODON nicht. Blood Mountain ist ihr erstes
Album für Warner Bros., und es bleibt unkonventionell.
Nicht nur unkonventionell, auch surreal, progressiv und heavy. Für Blood
Mountain haben MASTODON ihre favorisierten Musikstile von Thrash bis
Doom, von Prog bis Psychedelic Metal kombiniert, um etwas neues,
originäres und verheerendes auf die Beine zu stellen.
"Das Album ist eine gute Kollaboration zwischen allen Charakteren und
Individuen in der Band", so Sänger und Basser Troy Sanders. "Mir war
immer klar, dass wir alle einzigartige Individuen sind, die zusammen
eben eine Band formten, und wir haben uns zusammen getan, um eine
Mahlzeit mit verrückten Zutaten zuzubereiten. Aber das wichtigste:
Alles, was wir tun, ist rein und aufrichtig."
Das Album beginnt mit The Wolf Is Loose, einem Punk-Shout-Crossover par
excellence und gleitet dann in den VoiVodesken SciFi-Metal von Crystal
Skull hinein, das sich mit schwebenden Vocals auf einem Doom-Riff
voranschiebt. Eine hintergründige Reverenz an Slayer, die durch eine
wahnwitzige Serie von Wechselrhythmen, harten Wendungen und
Beat-Überraschungen jagt. Und später Colony Of Birchmen, auf dem
QOTSA-Chef Josh Homme mit dementsprechend melodischen Vocals zu hören
ist.
Die Musik auf Blood Mountain ist nicht alles, was MASTODON von der
großen Masse trendiger Metalbands unterscheidet, es sind auch die
durchdachten Lyrics, die einen inneren Zusammenhalt geben. Wie schon
Leviathan (2004), das von Kerrang!, Terrorizer und Revolver zum Album
des Monats gekürt wurde, ist auch Blood Mountain ein Konzeptalbum im
besten Sinne. Während Leviathan allerdings auf Herman Melvilles Roman
"Moby Dick" von 1851 basiert, stammt der Plot zu Blood Mountain aus den
Köpfen der Bandmitglieder selbst. Das Album erzählt die Geschichte eines
Quests, der die Protagonisten auf den Blood Mountain führt, um einen
kristallenen Schädel zu finden. Die Band muss den Gipfel erreichen und
den Schädel in die Köpfe der eigenen Mitglieder einführen, um die
"Reptilgehirne" in den eigenen Köpfen auszuradieren und zur nächsten
Stufe menschlicher Evolution zu gelangen. Natürlich ist dieser Weg alles
andere als leicht.
"Es passiert so ziemlich alles, was auf einem Berg so passieren kann",
erklärt Drummer Brann Dailor, der die Texte mit Sanders und Brent Hinds
schreibt. "Wir verirren uns, hungern, müssen unsere Nahrung selbst
erjagen und essen. Wir geraten in einen Hinterhalt und wir treffen alle
möglichen Kreaturen auf unserem Weg."
Die Kreaturen - sie machen die Reise MASTODONs so aufregend - und so
cool. In The Wolf Is Loose fliehen die Jungs vor einem marodierenden
Wolf, in Colony of Birchmen treffen sie auf eine Rasse kleiner
Baumleute, die sich zusammen geschlossen haben und einen riesigen
Baum-Mann bilden. In Circle Cysquatch stolpern sie über eine Gruppe von
einäugigen Yetis. Aber gerade, als es so aussieht, als wollten die
Sasquatch sie zerfetzen und fressen, zeigen sie Menschlichkeit und
Intelligenz. "Es stellt sich heraus, dass sie wundervolle, liebvolle
Kreaturen sind, und sie geben uns Schutz und mentale Kraft", erzählt
Sanders.
Wenn es so aussieht, als hätten MASTODON zuviel "Herr der Ringe"
gesehen, dann sollte man beachten, dass ihre Reise den Blood Mountain
hinauf von ihrer DVD-Sammlung genauso beeinflusst wurde, wie von ihrer
unkonventionellen Art zu leben. Und die phantasmagorische Qualtität
ihrer Expedition spiegelt die unheimlichen Träume wider, die sie hatten,
und die unterschiedlichsten Bewusstseinszustände, die sie in ihrem
Leben durchschritten. "Ich wollte, dass sich das alles ein bißchen
anhört wie auf Acid", meint Dailor. "Es gibt einen Abschnitt darüber,
wie die Protagonisten ein paar Wurzeln essen und zu halluzinieren
anfangen, bevor alles sehr eigenartig wird."
"In Siberian Divide werden wir von einer Schneeverwehung verschüttet,
die von einem Abhang rutscht. Unsere Körper erleiden Hirnfrost und wir
rasten völlig aus", so Sanders. "Wir halten unsere Handgelenke für Essen
und fangen an, unsere Pulsadern für das bißchen verbliebene Wärme
anzubeißen, bis wir verbluten."
Hinter all der psychedelischen Erzählung ist Blood Mountain eine
Metapher für die Niederlagen und Triumphe, die MASTODON durchschritten,
seit sie ihren musikalischen Kreuzzug begannen. Die Band formierte sich
im Jahr 1999, kurz nachdem Ex-Lethargy und Ex-Today Is The
Day-Mitglieder Dailor (dr) und Bill Kelliher (guit) von Rochester, New
York, nach Atlanta gingen. Eines Abends, während einer High On
Fire-Show, trafen die beiden auf ex-Four Hour-Bassmann Sanders und
Gitarrist Hinds und machten sich einen Kopf über Underground-Metal.
"Wir kannten jeder die Vergangenheit des anderen ganz gut und waren alle
Fans von Today Is The Day", erklärt Sanders. "Bill hatte unsere Band
gesehen, als wir den Support für Neurosis spielten, als er 98 in Atlanta
war. Er meinte, sie bräuchten einen Bassmann und einen Gitarristen, um
eine Band zu gründen, und wir meinten: 'Okay, Dude, hier sind wir. Hell,
yeah!' Drei Tage später trafen wir uns im Übungsraum, um zu probieren,
ob die Vibes stimmen, und nach fünf Minuten war es eine beschlossene
Sache."
MASTODON nahmen ihr erstes Demo im Juni 2000 auf und gingen mit Bands
wie Cannibal Corpse, Queens Of The Stone Age und Morbid Angel auf Tour.
Das Demo und ihre Top-Live-Shows sorgten für einen Deal bei Relapse rec.
und im August kam die EP Lifesblood. Technisch komplex und brillant,
rhythmisch interessant und mit treibenden Grooves versehen, verschaffte
es MASTODON eine treue Fangemeinde - auch wenn die Jungs ihre Miete
davon noch nicht bezahlen konnten. "Mann, die ersten zwei Jahre haben
Bill, Brann und ich auf einer Couch gepennt und sind wie wahnsinnig
andauernd auf Tour gewesen", erinnert sich Sanders. "Wir haben viel
draufgezahlt und dieses Feuer in uns gehabt, das uns immer wieder zum
Weitermachen gebracht hat. Da gab es etwas in unseren Hinterköpfen, das
wusste, dass wir alles geben müssen, denn es könnte sein, dass wirklich
etwas dabei rauskommt."
Im Oktober 2001 gingen MASTODON mit Producer Matt Bayles in Studio, um
ihr Album-Debüt Remission aufzunehmen - eine überzeugende Mischung aus
Hardcore, Progrock, Stoner-Metal und Southern Rock, die die Metalwelt
wegblies. Aber es war die Kraft und pulverisierende Eleganz von
Leviathan - wieder von Bayles produziert - die MASTODON im Jahre 2004 zu
einer der höchstgelobten neuen Bands in ihrem Genre werden ließen. Und
nicht nur die Metalszene zeigte sich begeistert, auch in der Gemeinde
der Alternative Rocker schlug das Album ein. Der Metal Hammer zählte
MASTODON zu den "50 Bands, die man kennen muss", Alternative Press zählt
sie zu einer der „25 Most Important Bands in Metal" und das Revolver
Magazin zu den "25 Greatest Live Bands Ever"; sogar der Rolling Stone
brachte ein Profil der Band.
Nachdem sie im letzten Jahr dann auf dem Ozzfest gespielt hatten,
machten MASTODON sich an die Arbeit für Blood Mountain. Fünfeinhalb
Wochen schrieben sie unermüdlich Songs, zwei Wochen länger als für
Leviathan. Die zusätzliche Zeit gab ihnen die Gelegenheit, vor den
eigentlichen Aufnahmen Demos aufzunehmen - etwas, was sie vorher nie tun
konnten - und mit der Technik zu experimentieren, um den Songs
zusätzliche Sound zu geben. Circle Cysquatch enthält z.B. ein extremes
Vocoder-Voiceover, Bladecatcher wartet mit jaulenden Vocals auf, die wie
ein wütender R2D2 klingen, und Crystal Skull beginnt mit schepperndem
Tribal-Drums, bevor das Riff den Song eröffnet.
"Das habe ich auf einer 250-Liter-Tonne gespielt, die ich vor dem Studio
um die Ecke gefunden hatte. Da war ein Typ, der an seinem Auto
bastelte, der hatte zwei Stück davon. Ich durfte mir eine ausleihen,
wenn ich ihm versprach sie zurückzubringen. Ich habe 12 Tracks mit
diesem Ding aufgenommen, das klingt wie eine fernöstliche Trommel. Es
war großartig."
Von Mitte Februar bis Anfang April dauerten die Aufnahmen. Wiederum mehr
Zeit, als MASTODON vorher je gehabt haben, aber diesmal war der Druck
da, sein eigenes Erbe antreten zu müssen, und wieder hatte die Band das
Gefühl, dass der Tag nicht genügend Stunden hat.
"Wir haben am Ende eines Tages immer dagesessen und uns angehört, was
wir gemacht hatten. Wir sprachen darüber, welche Richtung ein Song
nehmen sollte und was wir ändern müssten," so Sanders. "Nach einiger
Zeit hatte ich das Gefühl, die ganze Welt läge auf unseren Schultern.
Wir wollten die coolstmögliche Musik machen und sicher gehen, dass wir
es so gut wie möglich machen - dass jedes Riff, jede Note, jeder Schlag
auf den Drums an der perfekten Stelle sitzt."
Am Ende hatten MASTODON ein Album aufgenommen, das musikalisch so
ausgefeilt wie ursprünglich ist, eine Platte, auf der jede neue Passage -
egal wie schnell oder langsam - zur Kulmination eines epischen
Abenteuers beiträgt. Und die Vielfalt ist überwältigend. Capillarian
Crest bewegt sich zwischen jazzig-fragilen Ranken und
moshpit-erschütternder Wildheit und es klingt wie ein wütendes Amalgam
aus Motörhead, King Crimson und Rush, Hunters Of The Sky ist ein
wogendes Rennen mit Drums so tumulthaft, als säße Keith Moon dran.
Pendulous Skin reicht bis in den Himmel und verbeugt sich in den
Gitarren vor Deep Purple und Pink Floyd.
"Ich wollte tatsächlich Fingergymnastik und Gitarrenakrobatik auf diesem
Album haben", bestätigt Hinds. "Es gibt hier mehr Soli als auf jedem
anderen MASTODON-Album, aber jeder Part hat seine Berechtigung. Wir
wollten einfach mehr draus machen als je zuvor."
Zusätzlich zu den instrumentalen Parts enthält Blood Mountain Vocals,
die von melodischer Konversation bis zur aufgebrachten Schmährede
reichen. "Wir sind schlau genug, um zu wissen, dass wir uns nicht
durchgehend die Seele aus dem Leib schreien müssen," so Sanders. "Das
ist nicht der Weg, den wir unter Weiterentwicklung verstehen. Es gab
insgesamt mehr Raum und Möglichkeiten für unterschiedlichen Einsatz der
Vocals. Und wir hatten keine Scheu davor, das auch auszunutzen, denn wir
haben nicht das Gefühl, etwas falsch zu machen."
Mit Blood Mountain haben MASTODON einen neuen Gipfel erreicht, von dem
aus sie weitere, und noch höhere Berge sehen können. Und die sind ihr
nächstes Ziel. Ganz egal, wie viele Awards und Titelgeschichten auf sie
zukommen mögen, das Ziel von MASTODON sind die nächsten Gipfel, dort den
Schädel einzupflanzen und die nächste Stufe der Evolution zu erreichen.
Nicht, dass sie all die Lobeshymnen nicht zu würdigen wüssten, aber sie
sind einfach zu beschäftigt damit, das nächste Projekt anzugehen...
"Als wir anfingen, haben wir nicht erwartet, dorthin zu kommen, wo wir
jetzt sind," erklärt Sanders. "Wir sind sehr dankbar und wir begrüßen
alles, was bisher über uns gesagt wurde. Das alles ist sehr unwirklich.
Ich hätte nie erwartet, dass wir Iron Maiden in Europa supporten würden
oder auf einem Majorlabel landen, oder unsere vierte Tour mit Slayer
spielen würden oder von einem Magazin als eine Band gelistet zu werden,
die zu den 10 besten eines Jahres gehört. Das alles ist Teil einer
verrückten Reise, die wir erleben, und wir fahren weiter vorwärts. Wir
haben das Gefühl, dass da noch en langer Weg vor uns liegt."
Tracklist:
01. The Wolf Is Loose
02. Crystal Skull
03. Sleeping Giant
04. Capillarian Crest
05. Circle Of Cysquatch
06. Bladecatcher
07. Colony Of Birchmen
08. Hunters Of The Sky
09. Hand Of Stone
10. This Mortal Soil
11. Siberian Divide
12. Pendulous Skin
Quelle: Pressetext
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