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Review | Nagel - Was kostet die Welt
Do. 06 Januar 2011
VÖ: 21.01.2011
Label: Audiolith Records
Mit zunehmendem Alter werden die Dinge, die man zum ersten Mal tut immer
seltener. Schon allein deshalb musste die Idee "Singleveröffentlichung
aus einem Roman, und dann auch gleich ein Video dazu" unbedingt
umgesetzt werden.
Weitere gute Gründe:
- sowas hat unseres Wissens noch niemand vorher gemacht
- es macht Spaß
- Frage: kann man Bücher singen? Kann man zu Literatur tanzen?
Das Ergebnis nannte sich
Einen Abend Wahnsinn (gegen tausend Jahre
Stumpfsinn) und wurde bei seiner Onlineveröffentlichung im Herbst 2010
so begeistert aufgenommen, dass weitere Tracks dieser Art entstanden,
die nun als 10"/Download bei
Audiolith erscheinen.
Das Buch:
Als sein Vater stirbt, nimmt der Taugenichts Meise das unerwartete Erbe
und begibt sich auf Reisen. Die Devise: Ausgeben statt horten. Er hat
sich geschworen, alles anders zu machen als sein Vater. Doch zurück in
Berlin findet er nicht mehr in sein altes Großstadtleben zurück.
Von dem verbliebenen Geld unternimmt Meise eine letzte Reise: in die
tiefste westdeutsche Provinz - auf ein Weingut im Moseltal. Dort
erwartet ihn ein Kulturschock sondergleichen, auf den er nicht
vorbereitet ist. Und er muss sich ein paar unbequemen Fragen stellen,
die sich nicht mehr beiseite schieben lassen. Wie will ich (nicht)
leben, wie will ich (nicht) arbeiten, welche Beziehungen will ich
(nicht) führen? Auf dem dörflichen Großereignis des Sommers, dem
Weinfest, kommt es schließlich zum großen Showdown.
Tragisch und komisch, mit präzisen Beobachtungen und jeder Menge
schwarzen Humor lässt
Nagel seinen Helden Meise scheitern - mal an sich
selbst, mal an den Anderen.
Ein existenzialistisches Drama im Weißwein-Milieu. Eine wortreiche
Abhandlung über Sprachlosigkeit. Fear and loathing im Moseltal.
Die Platte:
Zusammen mit Freund und langjährigem muff potter-Produzent Nikolai
Potthoff wurden vier kurze Ausschnitte des Romans musikalisch
interpretiert, mit Beats und Melodien unterlegt und auf zehn Zoll Vinyl
gepresst.
Bei allen Songs handelt es sich um originale, nicht veränderte
Textstellen aus
Was kostet die Welt. Vom Jetlaggeplagten Aufwachen in
Berlin (
5 Uhr 44 aus Kapitel 2), über Ausbruchs- und Gewaltphantasien in
einem Friseursalon in Bernkastel-Kues (
Einen Abend Wahnsinn aus Kapitel
13) und dem liebevollen Rückblick auf das Kennenlernen seiner
Reisebegleitung Verena in der israelischen Mittelmeermetropole (
Tel Aviv
aus Kapitel 6), bis hin zum längsten Track
Quality Time aus dem
Showdown-auf-dem-Weinfest Kapitel 16, wo Meises gesamter
bürgerliche-Welt-Ekel sich in einem paranoiden Hassmonolog entläd.
Eine sehr persönliche Interpretation des NEW ORDER Klassikers
Bizarre
Love Triangle komplettiert die EP. Folgerichtig, handelt es sich dabei
doch um den Lieblingssong von Meise, den er an der Mosel aber nicht
hören kann, weil er seinen iPod zuhause in Berlin vergessen hat. Darüberhinaus fungiert das New Order Stück in
Was kostet die Welt als
das einzig positiv erwähnte Stück Musik, die sonst nur in Form von
nervtötenden Handyklingeltöten, unerwünschten Ohrwürmern oder
grenzdebiler Top-40-Band Beschallung auftaucht.
»Alle Gesetze des Rausches befolgend, meldet sich als Nächstes das dringende Bedürfnis, gute Musik zu hören.
„Bizarre Love Triangle" von New Order zum Beispiel. Was für ein fantastisches Lied.
„Every time I think of you I feel shot right through with a bolt of blue ... "
Ich weiß nicht mal, was das heißen soll, „a bolt of blue", keine Ahnung,
aber das ist ja egal, das ist vielleicht sogar das Schöne daran. Der
Song ist größer, als es jede noch so schlaue Aussage jemals sein könnte.
Er hat die Macht, sämtliche Stupidität des Daseins zu kompensieren, und
eine Melodie, die die Menschheit überleben wird.
„Every time I see you falling I get down on my knees and pray ..."
Was würde ich dafür geben, dieses Lied jetzt hören zu können.«
(Auszug, Seite 255)
Der Autor:
Nagel, geboren 1976 in Nordrhein-Westfalen, war Sänger, Texter und
Gitarrist der Band Muff Potter, die sich nach 16 Jahren im Dezember 2009
auflöste. Sein Debütroman "
Wo die wilden Maden graben" erschien 2007 im
Ventil Verlag, im Frühjahr 2009 wurde das gleichnamige Hörbuch
veröffentlicht, das von Axel Prahl, Farin Urlaub und Nagel gelesen
wurde. Im Herbst 2010 erschien sein zweiter Roman "
Was kostet die Welt" im
Heyne Verlag, im Januar 2011 die musikalische Interpretation davon als
10"/Downlaod auf
Audiolith. Nagel schreibt für das Opak-Magazin und ist Bassist bei den Blood Robots.
Stimmen zum Buch:
»Humor ist eine von Nagels großen schriftstellerischen Fähigkeiten. Wenn
er beispielsweise einen Freund von der Mosel als „Weißwein-Aborigine"
bezeichnet, ist man ganz dicht an einer soziokulturellen
Zustandsbeschreibung einer ganzen Region. (...)
Letztendlich ist es das grandios inszenierte Scheitern, das Nagel in
eine adäquate literarische Form bringt, und das den Roman zu einer der
besten Veröffentlichungen des Jahres werden lässt.«
(Thomas Neumann, Literaturkritik.de)
»›Was kostet die Welt‹ ist eine Reise in die scheinbare Normalität; in
eine Welt, die sich dem Protagonisten mit guten Gründen im Verlauf als
immer fremder und ferner offenbart. Nagel ist eine unterhaltsame,
intelligente, mitunter wahnsinnig komische und glücklicherweise nie
hämische Geschichte gelungen.«
(Jan Müller, Tocotronic)
»Äußerst runde Sache, hart an der Bürgerlichkeit kratzend, diese
aufstemmend und dann fein in die offene Wunde reinscheißend. Geil.
Großer Wurf, definitiv.«
(Dirk Bernemann)
»Kann mich nicht erinnern, wann in deutscher Sprache das Ist zuletzt
schärfer seziert wurde. Die Sprachbilder sind genauso lässig wie
entlarvend, die Handlung ist genauso einnehmend wie fatal. Nagel macht
dich fertig, und gerade das liest sich wunderschön.«
(Linus Volkmann)
»Yippie Yippie Yeah, endlich feinsinniger Krawall und Remmidemmi in der Literatur.«
(Hilmar Bender)
»Der Fremdenverkehrsverband Mosel wird dieses Buch wohl eher nicht in
seine Liste empfehlenswerter Reiseliteratur aufnehmen. Dafür nehme ich
es in meine Liste ´Die besten Bücher übers Scheitern´. Das hier hat ein
großes Herz und dabei doch die Faust in der Tasche, spricht Dinge aus,
die man sich selbst nicht sagen traut, ist schonungslos, wahnwitzig und
einnehmend - und das alles in geschliffener Sprache und einem perfekten
Rhythmus.«
(Markus Kavka)
»Was kostet die Welt steigert sich an Intensität von Seite zu Seite, um
schliesslich in einer besoffenen Katharsis zu enden. Dieses Buch zu
lesen, ist ein bisschen so wie Achterbahn fahren. Man will nicht, dass
der Abgrund sich vor einem auftut, freut sich aber irgendwie doch
darauf, dass es gleich passiert.«
(Mille Petrozza, Kreator)
„Was kostet die Welt" - ein Leseabend mit Nagel.
27.01.2011 Hagen, Juz
28.01.2011 Bielefeld, Kamp
29.01.2011 Essen, Zeche Carl
31.01.2011 Wien, Aera, Info&Tickets: www.aera.at
01.02.2011 Giessen, Muk
02.02.2011 Wiesbaden, Schlachthof
03.02.2011 Potsdam, Waschhaus
04.02.2011 Magdeburg, Projekt 7
05.02.1011 Braunschweig, Café Riptide
Tickets unter anderem hier: www.ghvc-shop.de
Links:
www.nagel2000.de
Quelle: Pressetext
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