VÖ: 15.04.2011
Label: earMusic
Genre: Hard Rock
Autor: Jörg Edelmann
In Zeiten, wo viele junge Bands mehr in "sozialen Netzwerken" leben als im Proberaum, sich mehr mit Pro-Tools beschäftigen als mit echtem Groove, da ist es echt erfrischend, das Altrocker wie NAZARETH noch echte, handgemachte Rockmusik machen. Wer schon zu den Rocklegenden zählte, als die Leute, die heute auf den großen Festivalbühnen stehen, nicht mal auf der Welt waren, der braucht sich um die aktuelle Musikszene nicht mehr kümmern. Diese alten Hunde machen nach über 40 Jahren Bandgeschichte, die Sänger Dan McCafferty und Basser Pete Agnew mit ihren Kollegen gelebt haben einfach, was ihnen Spaß macht, das hört man auch auf dem neuen Album sofort.
Dabei startet man sehr gemütlich, fast möchte man sagen "dem Alter entsprechend", aber als Tierpfleger weiß ich nur zu gut, das auch alte Hunde noch kräftig zubeißen können. So groovt der Quasi-Titelsong dann doch kräftig und selbstbewusst aus den Boxen. Auch "Claimed", das ein wenig wie ein Mix aus "Let´s Come Together" von den BEATLES und AC/DCs "Let Me Put My Love Into You" klingt, kommt sehr gemütlich daher, erst "No Mean Monster" rockt etwas energischer und durch die unverwechselbaren Vocals von McCafferty etwas zickig. Die schwermütige Ballade "When Jesus Comes To Save The World Again" wird es sicher nicht wie die Klassiker "Love Hurts" und "Dream On" auf die Kuschelrock-Scheiben schaffen. Dass sie auch noch rocken können, das zeigen die wohl bekanntesten schottischen Hard Rocker unter anderem mit dem fluffigen "Radio", dem fröhlichen "Lifeboat" und dem swingenden "The Toast". Das nachdenkliche "Time And Tide" wirkt anfangs etwas öde, entfaltet seinen nachhaltigen Charme erst nach einigen Durchgängen, ebenso das sentimentale "Butterfly".
Das Album macht rundum Spaß, hier klingt alles ehrlich und ungekünstelt. Dazu passt, dass sie wie in der guten alten Zeit die Songs gemeinsam live eingespielt haben. Man sieht förmlich die älteren Herren im Aufnahmeraum stehen, die Füße wippen im gemütlichen Takt, das Grinsen im Gesicht wird immer breiter, weil man das, was man gemeinsam macht, wirklich gern macht. Auch der natürliche Sound passt zur Musik, ist wie die Musik ehrlich und warm, aber nicht altbacken. Einzig bei der Reihenfolge der Songs hätte man etwas Feintuning leisten können, der Auftakt ist eher zäh und die flotten Rocker gibt es gebündelt in der zweiten Hälfte. Wer nur mal neugierig in die ersten Songs zappt, wie man es halt so macht im Medialaden des Vertrauens, dann wird so mancher das Album wohl wieder zurück stellen. Wer gemeinsam mit der Band älter geworden ist und blind zugreift, der wird das Album aber spätestens nach 2-3 Durchgängen lieben. Selbstredend kann "Big Dogz" nicht auf eine Stufe gestellt werden mit Klassikeralben wie "Razamanaz", "Loud ´n´ Proud" und "Hair Of A Dog", die in jede gepflegte Hard Rock-Sammlung gehören. Aber besser und charmanter als z.B. das 2008er Album "The Newz" ist das neue Album ohne Zweifel.
Es steht außer Frage: NAZARETH werden mit dem neuen Album wohl weitestgehend nur die Altrocker und Ü-40 Generation begeistern. "Big Dogz" bietet Rockmusik von älteren Herren für ebenfalls nicht mehr ganz junge Damen und Herren, und das ist gut so! Dass man durchaus auch jüngere Rock-Fans erreichen kann, das liegt weniger an den Songs, sondern schlichtweg daran, mit wie viel Leidenschaft diese Herren ihr Ding durchziehen. Das sollten sich auch die jüngeren Hard Rocker anschauen: statt bei einem gepflegten Tässchen Tee das neue Album zu feiern, wollen es die Herren NAZARETH lieber krachen lassen und gehen mit einigen Einzelgigs auf Tour sowie mit den Rockdino-Kollegen von URIAH HEEP, die zeitgleich via Frontiers Records ihr neues, ansprechendes Album "Into The Wild" veröffentlichen:
Tourdaten bei vampster: URIAH HEEP und NAZARETH
Tourdaten bei vampster: NAZARETH
ungrocker sollten jedoch auch gern zu "The Anthology" greifen, um das musikalische Schaffen dieser immer wieder etwas unterbewerteten Band kennenzulernen.
Veröffentlichungstermin: 15.04.2011
Spielzeit: 55:45 Min.
Line-Up:
Dan McCafferty - Vocals
Pete Agnew - Bass, Backing Vocals
Jimmy Murrison - Guitar, Piano, Backing Vocals
Lee Agnew - Drums, Backing Vocals
Produziert von Jimmy Murrison und Yann Rouiller
Label: ear-music
Homepage: www.nazarethdirect.co.uk
MySpace-Seite: www.myspace.com/nazarethdirect
Tracklist:
1. Big Dog´s Gonna Howl
2. Claimed
3. When Jesus Comes To Save The World Again
4. Radio
5. No Mean Monster
6. Time And Tide
7. Lifeboat
8. The Toast
9. Watch Your Back
10. Butterfly
11. Sleeptalker
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Autor: Jörg Edelmann
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weiter lesen...Schreibt eure lustigen, spannenden, Gänsehaut erzeugenden oder auch mal nicht so gelungenen Konzert-Erlebnisse in den Genres Post-Punk, -Rock, Doom, Metal, Instrumental, Noise, Avantgarde und Artverwandtem als Konzert-Bericht. Ebenfalls freuen wir uns immer über die neuesten Album-Reviews eurer persönlichen Favoriten in den genannten Stilarten. Werdet ein Teil des Profilneurotiker-Teams und lasst uns und Andere an euren Erlebnissen und Eindrücken teilhaben! Ab und an besteht auch die Möglichkeit mit verschiedensten Musikern und Bands ein persönliches Interview zu führen. Weiteren Vorschlägen in Form von konstruktiver Kritik oder Vorschlägen gegenüber sind wir natürlich auch immer aufgeschlossen.
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