Wow! Nicht gecastet, und trotzdem besser als jede gecastete Band! Das geht nicht, meint ihr? Wir sagen: Doch, es geht, und das sogar auf exquisite Art und Weise! Uns liegt nämlich ein Album vor, dem niemand mit herkömmlicher Chuzpe das Feuer unterm Hintern rauben kann. Mal ganz salopp ausgesprochen. Im Raume deutschsprachigen Rocks dürfte es schwierig werden Planet Emily das Wasser zu reichen, das Quartett aus dem Raum Hannover zieht mit seinem Debut ganz neue Grenzlinien, derart selbstverständliche Texte nämlich hat schon reichlich lange niemand mehr unters Volk gebracht!
Dabei wildern die Niedersachsen nicht etwa bloß charmant im Revier der Liebe und Triebe, sondern denken auch vorsichtig über die Tellerränder hinaus. Natürlich und auch zum Glück tun sie dies nicht etwa pädagogisch, sondern eher ein bisschen flapsig, so wie man das kurz vor oder nach dem Abitur eben tut. Das zeitigt nicht etwa düstere Inrtoversion, sondern eher schon leicht pessimistische Ahnungen einer Generation, die nach ihrem Platz noch sucht und ihre Bestimmung auch längst noch nicht gefunden hat.
Zwölf Lieder, die nur gelegentlich das bekannte Muster Indie-Rock mit tief hängender Gitarre erfüllen, meist aber auf sehr eigenen und noch gar nicht ausgetretenen Pfaden wandeln. Man muss sich nur einmal das bedrohliche Intro von Wunderjahre anhören, dass sich fast anhört wie die Rückkehr von Deep Purple, nur eben ganz ohne alte Männer. Stattdessen die Stimme von Carolin Schmieding, die von zärtlichen Vokalisen bis zur gesungenen Standpauke reicht. "Ich finde es ja immer besonders reizvoll", so Songwriter Lennart Baetge, "wenn ein Lied über Brüche verfügt, wenn es etwa fröhlich anfängt und sich am Ende ein paar dunkle Löcher auftun. Oder umgekehrt." Genau das ist es, was die vermeintlich in erster Linie partytaugliche Musik von Planet Emily erst beim zweiten oder dritten Hören ihre ganze Wirkung entfaltet.
Auch das Produzententeam hat hier vorbildliche Arbeit geleistet. Kompakt und meist unter Hochdruck steht der Sound, trotzdem bleibt Mut zur Lücke, ohne die jeder Popsong halt doch irgendwann langweilig wird - meist viel schneller als gedacht. Und schon mit ihrem Album zeigen Planet Emily auf ihre größte Leidenschaft und den besten Platz, um ihre Songs zu hören: Man wünscht sich unwillkürlich auf ein Konzert des quirligen Quartetts. Und wenn man kurz die Augen schließt, ist man fast schon im Saal!
Tracklist:
1. Nr. 1
2. One Night Stand
3. Diese Nacht
4. Superheld
5. Atme aus
6. 10000 Volt
7. Wunderjahre
8. Vielen Dank
9. Wo Ist Das Licht
10. Das Gibt Es Nicht
11. Immer Weiter
12. Was Geht (Bonus Track)
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Antwort #1 am: 18. Oct. 2010, 14:48:44 Uhr