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Bohren & Der Club Of Gore - Konzert Review - FZW, Dortmund - 19.12.2009

Mo. 21 Dezember 2009

Letzten Samstag standen die Doom- oder Funeral-Jazzer Bohren & Der Club Of Gore aus meiner (momentanen) Heimatstadt Mülheim an der Ruhr in der Nachbarschaft auf der Bühne, nämlich in dem "neuen" FZW in Dortmund. Das FZW war schon vor einigen Monaten an neuer Stelle wieder eröffnet worden, dies war aber nun mein erstes Konzert in der neuen Location.

Von der Anreise her ist das neue FZW gut zu Fuß vom Hauptbahnhof in Dormtund aus zu erreichen, was allerdings an jedem anderen Tag angenehmer gewesen wäre als an diesem Tage, wo das Thermometer doch gut zweistellig unter Null Grad Celsius stand. Aber egal, was tut man nicht alles für ein erwartetes tolles Konzert von Bohren! Also ab durch den Schnee und die eisige Kälte, vorbei an den ganzen Fussball-Idioten-Fans des BVB hin zum neuen FZW, was auch schon einiges von einem selbst abverlangte!

Da ich vor einigen Wochen schon das Konzert von Bohren & Der Club Of Gore im Aachener Musikbunker elebt hatte hoffte ich darauf, dass es auch hier im FZW ein paar Möglichkeiten gibt, um sich zu setzen. Denn die Musik von BUDCOG ist extrem entschleunigt, die Songs liegen durchschnittlich bei gefühlten 60 bpm und das Ganze ist auf seine Art zwar extrem faszinierend, aber eben auch ziemlich anstrengend! Sitzplätze waren auch ausreichend vorhanden, aber wegen der widrigen Wetterverhälntisse und dem Mopp am Hauptbahnhof kam ich leider "erst" eine gute halbe Stunde nach Einlass am FZW an, die vorhandenen Sitzplätze waren natürlich längst in Beschlag genommen! Naja, gibt Schlimmeres...

In der Vergangenheit haben wir ja verstärkt Fotos auf den Konzertbesuchen geschossen, was ich aber für dieses Konzert im Vorfeld schon komplett abgelehnt habe. Zum Einen sind die Konzerte von Bohren & Der Club Of Gore immer äußerst spärlich beleuchtet, was eine wirklich lichtstarke Optik vorraussetzt, und zum Anderen war ich der Meinung, dass das Klicken der Spiegelreflexkamera die Atmosphäre der Musik komplett zerstört. Und was soll ich sagen...einigen "Kollegen" war dies anscheinend komplett egal oder sie haben einfach kein Gespür und Wahrnehmungsvermögen mehr für ihre Umgebung... Während des Konzertes waren drei Fotografen mit DSLR's auf Fotojagd, und jedes einzelne Auslösen der Kameras führte unweigerlich zu dem von mir schon angesprochenen und befürchteten Klicken, was in der Tat sehr störte und das Genießen der Musik wesentlich erschwerte. Liebe Fotografen - auch wenn ich selbst einer bin und liebend gerne Fotos auf diesem Konzert von Bohren geschossen hätte - nehmt Euch doch bitte beim nächsten Mal zurück, verzichtet auf Fotos, auf denen ohnehin kaum etwas zu sehen ist und genießt die Musik, die einem geboten wird!

Doch nun habe ich ein wenig vorgegriffen, zurück auf Anfang. Sitzplätze gab es also keine mehr, dann genoß ich im Stehen meine ersten Biere zwecks Einstimmung auf das bevorstehende Konzert von Bohren & Der Club Of Gore. Wie ich mitbekommen habe ist die Band wohl leider erst verspätet in Dortmund angekommen, und somit begann das Konzert dann leider erst gegen 21 Uhr. Massig Zeit zum Totschlagen also, in der man sich entweder unterhielt oder das ungemein gemischte Publikum beobachtete. Eine solche"Vielfalt" an Konzertbesuchern sieht man wirklich nicht alle Tage, von jung bis alt, von Öko bis Metaller und Lack-Outfit war alles zugegen und machte die wirklich lange Wartezeit etwas erträglicher.

Gegen 21 Uhr war es dann soweit und die vier Musiker von Bohren & Der Club Of Gore betraten die Bühne. Das Licht im Saal wurde fast komplett heruntergefahren, auf der Bühne waren lediglich vier Spots über den jeweiligen Musikern, welche wirklich nur einen Lichtstrahl von sich gaben, bei dem die Farbe fortlaufend wechselte. Somit wurden nur Teile der Instrumente bzw. des Griffbrettes beleuchtet, ab und an war ein Teil des Gesichtes der Musiker zu sehen, ansonsten bleiben die vier Männer eher in der Dunkelheit verborgen.

Der erste Song begann mit wunderschön ruhigem Fender Rhodes Piano, der mächtige Bass setzt kurz danach ein und das für Bohren typische ruhige Schlagzeugspiel gab den extrem langsamen Takt vor. Bei Stück Zwei setzte dann auch zusätzlich das Saxophon von "Frontmann" Christoph Clöser ein, das der ruhigen Musik von Bohren & Der Club Of Gore einen ganz besonderen Charme verleiht. Insgesamt war Christoph an diesem Tage nicht so "redselig" wie vor einigen Wochen in Aachen, was schade war. Denn der äußerst trockene Humor von ihm verleitet die Zuhörer unweigerlich zum Schmunzeln. Ein Beispiel ist die Ansage zu dem Titel Destroying Angels, welches ein Protestsong ist. In seiner unnachahmlichen Art mit ebenfalls äußerst langsamer Stimme und lethargischem Tonfall erklärte uns Christoph, dass sich dieser Song gegen Mütter richtet, die in viel zu großen Autos ihre Blagen zum Sport oder zur Schule fahren. Der Interpretationsspielraum bei den Songs von B&DCOG ließe ohne diese Erklärung auch verdammt viel Raum, sind die Stücke doch komplett instrumental gehalten, wenn man jetzt mal von dem mit dem Keyboard gekoppelten Mikrofon absieht, welches von Morten Gass zum Erzeugen von kirchlich-anmutendem Chorgesang genutzt wird. Weiterhin spielt bei Bohren & Der Club Of Gore Thorsten Benning das Schlagzeug, Robin Rodenberg ist für den Bass zuständig - wird aber beizeiten von Morten an einem weiteren Bass unterstützt - und Christoph Clöser spielt neben dem Saxophon auch ab und an ein weiteres Fender Rhodes Piano. Einige Leute hatten es sich - wie ich auch - auf dem Boden der Location gemütlich gemacht, um entspannt den Sound von Bohren genießen zu können.

Zwischenzeitig wurde die Atmosphäre wie schon oben beschrieben leider immer wieder  gestört, oder die Lautstärke im FZW war einfach zu gering, um mit der Musik diese Störgeräusche zu überlagern. In Aachen jedenfalls war der Klang in meiner Erinnerung wesentlich lauter als hier im FZW. Als eine der wenigen Ansagen erzählte uns Christoph noch von dem Prinzip, nach dem alle Songs geschrieben werden: Keine Möbel, aber 'ne Putzfrau!  Ruhe, Entspannung, Entschleunigung und Genießen - soweit es ging! So verließ ich dann auch während der letzten Zugabe, welche schon vorher mit dem Publikum vereinbart wurde, das FZW mit ein wenig Merchandising im Gepäck und hoffe auf ein nächstes Konzert in besserer Location, ohne Fotografen und mit angepassterem Publikum. Die Band Bohren & Der Club of Gore war wieder einmal toll - keine Frage - das Drumherum passte an diesem Abend aber leider nicht so ganz! Schade!



 

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