Vergangenen Samstag verschlug es uns in das beschauliche Städtchen Mülheim an der Ruhr, der Heimat von Bohren Und Der Club Of Gore. Genau die hatten zu einem Konzertabend im renommierten Ringlokschuppen geladen, und dem Ruf wollten wir natürlich gerne folgen um abermals ein Konzert der besonderen Art zu erleben.
Einlass im Ringlokschuppen war gegen 22 Uhr, davor fand dort noch eine Theateraufführung unter dem Titel Endspiel von Samuel Beckett statt, bevor sich die Türen zur Konzert-Halle des Ringlokschuppen öffneten. Der Raum war komplett bestuhlt, das Licht war stark gedämpft und die Instrumente standen im Dunkel der Bühne bereit. Während der recht kurzen Wartezeit, in der man sich wunderbar aufwärmen konnte, denn draußen war es bitterkalt, wurde der Raum stetig mit Kunstnebel gefüllt. Dies geschah sehr schleichend und nahezu unbemerkt, erst als sich eine gewisse Nebelwand gebildet hatte bemerkte man, was geschah.
Kurz darauf öffnete sich dann eine seitliche Tür, Taschenlampen leuchteten den Weg der vier Männer in schwarzen Anzügen auf die Bühne. Die für Bohren Und Der Club Of Gore typische Basedrum mit Überformat im Durchmesser, jedoch unterdimensioniert in der Tiefe, wurde wie üblich erleuchtet, dieses Mal prangte ein neues Motiv auf dem Fell des Instruments. Zuvor war auf diesem eine Abwandlung des Dolores Album zu sehen. Deutet dies vielleicht auf ein neues Album hin, das in Arbeit ist? Wir wissen es nicht.
Und dann ertönen die ersten Klänge von Bohren, diese Mischung aus Jazz, Ambient und Doom, hier und da auch als Funeral Doom bezeichnet, und die vier Musiker Thorsten Benning, Morten Gaß, Robin Rodenberg und Christoph Clöser sind voll in ihrem Element und spielen ihre Zeitlupen-Musik voller Hingabe - sofern man dies erkennen kann. Denn wie auch üblich bei einem Konzert von Bohren ist der Raum möglichst in komplette Dunkelheit gehüllt. Einzige Lichtquellen bilden die angesprochene beleuchtete Bassdrum und vier Spotlights, die vor den einzelnen Musikern hängen und lediglich einen sehr schmalen Lichtstrahl erzeugen, dessen Farbspektrum ständig aber sehr behäbig wechselt.
Was genau so wie die ergreifende Musik zu den Auftritten von Bohren Und Der Club Of Gore gehört sind die sehr skurilen Ansagen von Christoph Clöser zwischen den Liedern. Zur Begrüßung sagte er "Hallo liebe Freunde der ereignisarmen Musik. Wir sind Bohren und der Club Of Gore und kommen aus Westdeutschland." Dies zeigt den speziellen Humor, der bei Bohren vorherrscht. Auch die Aussage "fühle ich mich gefestigt genug, die schwarze Wand wieder grau zu streichen" ließ die Anwesenden schmunzeln, um dann aber wieder umgehend dem Sound von Bohren Und Der Club Of Gore zu verfallen.
Der Warwick-Bass spielte die Bassmelodien sauber und stetig und blies seine Schwingungen in den Raum, das Schlagzeug ist minimaler Taktgeber in sehr reduziertem Tempo, wahlweise Saxophon oder Fender Rhodes blitzen hier und da in jazzigem Gewand auf, zusätzlich hören wir dann entweder Keyboard oder einen mit einigen Effekten versehen zweiten Warwick-Bass, zu sehen ist nicht viel. Lediglich ab und an huscht ein Kopf in den Lichtstrahl vor den Musikern, oder aber der Hals des Basses, die Drumsticks tauchen darin kurz auf.
Alles in Allem ist ein Bohren Konzert aber eher auf die dargebotene Musik fokussiert, das Visuelle tritt sehr stark in den Hintergrund, damit sich die Musik voll und ganz beim Publikum entfalten kann. Nur die Lautstärke hätte an diesem Abend ein wenig höher ausfallen können! Doch abgesehen davon war der rund 70-minütige Aufrtitt von Bohren Und Der Club Of Gore wieder ein außergewöhnliches Erlebnis der ruhigen Art, der uns sehr begeisterte!
alle Fotos stammen von Verena Schlawe - myspace.com/schlawienerin
Ein Konzert-Bericht folgt in Kürze!
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