Nachdem wir also nun schon an diesem Abend im Gebäude 9 von der Wichita 10th Anniversary Tour die Opener Cloud Nothings aus den USA und Sky Larkin aus Englad erleben durften, stand nun der mit großer Spannung erwartete Headliner auf dem Programm. Und dies waren keine geringeren als die New Yorker von Les Savy Fav!
Wir haben Les Savy Fav schon vor rund 3 Jahren bei ihrem letzten Besuch in Deutschland im Übel & Gefährlich in Hamburg gesehen, und dieses Konzert ist uns nachhaltig in absolut positiver Erinnerung geblieben! Mit diesen Erinnerungen im Hinterkopf waren die Erwartungen an das heutige Konzert natürlich recht hoch gesteckt, doch wir hofften auf ein ähnlich mitreißendes Konzert von Les Savy Fav wie damals in der Hansestadt.
Les Savy Fav gibt es seit Mitte der 90'er Jahre, als sich die 5 Musiker auf der Rhode Island School Of Design kennengelernt und zu Les Savy Fav zusammen geschlossen haben. Zwei der Gründungsmitglieder sind heute nicht mehr mit von der Partie, zur Band gehören im Jahr 2010 - und das auch mittlerweile schon seit einigen Jahren- Seth Jabour und Andrew Reuland an den Gitarren, Syd Butler am Bass, Harrison Haynes an den Drums und der exzentrische und vollbauchige und -bärtige Tim Harrington am Mikrofon. Les Savy Fav haben erst im Oktober diesen Jahres ihr aktuelles Album Root For Ruin herausgebracht, mit welchem sie nun durch einige Städte auf dem europäischen Festland getourt sind, davon zwei Stationen in Deutschland. Neben dem Gig am Mittwoch sollten sie noch am Abend darauf in Berlin im Festsaal Kreuzberg spielen.
Gegen viertel nach Zehn war es dann auch soweit, und ein mit einer Art Scream-Maske und Kopftuch verkleideter Gitarrist betrat die Bühne und versorgte das Publikum erst mal mit einigen Klängen aus seinem Instrument. Nach und nach kamen die restlichen Bandmitlgieder hinzu und stiegen mit ein. Zu guter Letzt kam dann Mr. Harrington auf die Bühne, und das in einem Piraten-Kostüm, welches er sich übergestülpt hatte. Schon mal ein toller Einstieg, der auch an den Gig im Übel & Gefährlich erinnerte, wenn auch mit anderer Kostümierung!
Direkt beim ersten Song bereits verließ Tim Harrington die Bühne und wandelte mit seinem ellenlangen Mikrokabel durch die Zuschauer im Gebäude 9. Er wustele dermaßen hin und her, sodass wirklich jeder im Konzertsaal seine persönliche Dosis Harrington an diesem Abend erhalten sollte! Es dauerte auch nicht lange, da erklimmte er im hinteren Bereich einen Mauerabsatz und führte von dort seinen Gesang fort. Plötzlich stand er aber wieder auf der Bühne und entledigte sich nach und nach mit einer kleinen Stripeinlage seines Piratenkostümes, und stand letzendlich in einer Weste und Kravatte vor uns. Die Kravatte wurde dann auch kurzerhand von Harrington dazu genutzt sich die Augen zu verbinden, um sich anschließend an dem vorderen Bühnenrand zu postieren und sich gemütlich nach vorne fallen zu lassen. Vor ihm waren allerdings nur wenige Personen, die in der Lage gewesen wären, Tim einen Einstieg zum Crowdsurfer zu liefern, waren sie doch recht schmächtig im Gegensatz zu Harringtons doch wuchtigem Körper.
Doch das scheint er schon zu kennen und legte sich anschließend auf den Boden, einige Leute des Publikums umarmend und sang weiter dazu. Tim Harrington ist einfach absolut unkalkulierbar in seinem handeln und Tun, dabei aber absolut liebenswert! Er bringt die staunenden und höchst positiv amüsierten Leute immer wieder in Verwunderung! Bei ihm ist wirklich nichts und niemand sicher! Und auch die restlichen vier Musiker von Les Savy Fav trugen ihren Teil dazu bei, dass das Konzert in dieser gegebenen Intensität wirken konnte. Sie spielten auf den Punkt, wenn auch mit einigen Variationen, um die Showeinlagen von Harrington genügend Raum geben zu können, und brachten das Gebäude 9 zum Kochen! Immer wieder stieg Harrington von der Bühne hinab in den Publikumsraum und überraschte die Anwesenheiten mit neuen kleinen Einlagen. Dabei gibt er auch gerne mal sein Mikrofon an einen Gast ab, der dann entweder den weiteren Text vorgibt oder aber irgend etwas ins Mirko hinein sagt, schreit oder Sonstiges. Doch das war ganz und gar nicht störend, im Gegenteil trieb es den Wahnsin, der mittlerweile herrschte, immer weiter.
Später stand er wieder mal auf der Bühne und beklebte sich an Brust, Augenbrauen und auf dem Kopf mit schwarzem Klebeband bevor er versuchte, entlang eines Absperrgitters an einem schmalen Mauerstückchen die Wand hinauf zu klettern, es sich dann aber anders überlegte und die Schultern der um ihn herum stehenden Gäste als "Gehweg" nutzte - was allerdings nicht lange hielt. "Dann reißen wir einfach mal den Notausgang auf" muß Harrington sich gedacht haben und verschwand - natürlich immer weiter singend - erst mal in der Dunkelheit des Vorhofes vom Gebäude 9. Irgendwann kam er dann auch wieder hinein, ich bin mir noch nicht mal sicher ob nicht sogar vom Eingang der Bar aus, zumindest wirkte es so. Doch der Logik folgend eigentlich unmöglich. Doch für Harrington ist ja eigentlich Nichts unmöglich! Die Band feuerte weiter ihre vertackten und sehr gut tanzbaren Songs ins Publikum, mittlerweile müsste auch der letzte Gast in den Bann dieses Spektakels gezogen worden sein. Dies bezeugte zumindest ein schweifender Blick ins Publikum, der nur freudige Gesichter zeigte.
Die geschätzten 20 Meter seines Mikrokabels landeten dann mal auf Harringtons Kopf, bevor er mal wieder das Mikro selbst an einen Gast überreichte und eine Meditationshaltung einnahm. Kurz darauf dienten zwei leee Bierflaschen als Xylophon-Ersatz bevor er sich zwei der Monitor-Boxen schnappte und erst Bassist Syd und dann sich selbst darauf platzierte. Als nächstes leckte er genüßlich einem weiblichen Gast den Finger ab, um anschließend wieder im hinteren Bereich des Salles zu verschwinden. Das Publikum war auch immer sehr bedacht das Kabel über den Köpfen zu führen, sodass Harrington mehr oder minder ungehindert agieren und seinen Spielchen nachgehen konnte.
Utensilien, die sich so auf einem üblichen Konzert finden, werden auch gerne genutzt. So stülpte sich Harrington einen ihm gereichten Müllsack über den Kopf, aus dem er Luftlöcher und Augenhöhlen herausriss und so verkleidet die Show fortführte. Die Cappy und Zigarette eines Gastes waren dann auch kurzerhand von Harrington konfisziert, um für den nächsten Song sein Outfit zu stellen.
Leider mussten wir bei - zufälligerweise irgendwie genau passend - bei Let's Get Out Of Here dieses unglaubliche und extrem unterhaltsame Konzert verlassen, um den letzten Zug noch zu bekommen. Wie ein Youtube-Video belegt ist Harrington während dieses Songs noch mal hinaus gelaufen, wollte er uns und einige wenige andere Gäste, die ebenfalls aufbrechen mussten, wieder zurück holen? Wir glauben kaum, doch ein lustiger Zufall irgendwie! Wie hier zu lesen ist gab es auch noch eine ausgiebige Zugabe, in welcher Harrington dann den Vogel abschoss. Er muss wieder in dem hautfarbenen Organ-Kostüm, welches wir schon vom Hamburger Konzert kannten, auf die Bühne gekommen sein, das er sich nach und nach mit leeren Bierflaschen gefüllt haben soll. Das führte unweigerlich zu einem Maleur, "Wo er sich an einer der Flaschen schneidet, das Blut ableckt und sich auf Stirn und Zunge schmiert". Schade dass wir das Finale nicht mehr erlebt haben, jammerschade und eigentlich unverzeihlich!
Das Finale vom 10th Wichita Anniversary Abend mit Les Savy Fav als Headliner kann man ohne Zweifel als einen der Höhepunkte an Konzerten in diesem Jahr beschreiben, wenn nicht sogar DAS Beste! Doch uns erwarten noch einige weitere Gigs, wir werden sehen. Es hat sich aber wieder gezeigt, dass die Konzerte von Les Savy Fav eine bleibende Erinnerung sind und zu dem besten an Konzert und Entertainment gehören, was derzeit geboten wird! Es war eine wirklich unglaublich intensive Show, sowohl für die Band als auch für das Publikum, bei der jeder nur (positiv) verrückt werden konnte! Die Interaktion zwischen Band und Publikum funktioniert einwandfrei, nicht zuletzt dadurch dass Harrington sich zu keiner Albernheit zu schade ist und die Location mehrfach durchkreuzt. Ob nun stehend, kriechend, kletternd oder was auch sonst noch möglich ist. Selten hat man während eines Konzertes so viele strahlende Gesichter wie an dem heutigen Abend gesehen. Jeder-Mann- und Frau schien mehr als glücklich mit dem Dargebotenem gewesen zu sein, was angesichts des Erlebten auch nicht verwunderlich war!
Es gibt also nur Eines zu sagen:
Jeder sollte ein Mal in seinem Leben ein Les Savy Fav Konzert erlebt haben!
An diesem Mittwoch Abend zog es uns erneut ins Gebäude 9, nachdem wir die Woche zuvor hier schon Shrinebuilder erleben durften, die ebenfalls wie die Bands des heutigen Abends via Underdog-Recordstore gebucht waren. Es stand der Wichita-Showcase zum 10-jährigen Jubiläum des Labels an, mit von der Partie waren die Cloud Nothings...>>>
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