Und wieder einmal führte uns ein Konzert nach Dortmund in den Club des FZW, um sich dort den Auftritt der japanischen Post-Rock-Helden Mono anzuschauen. Dies war das erste Konzert von Mono, welche ich besuchen sollte, und nach allem, was man so von Mono-Auftritten gehört und gelesen hat war die Erwartungshaltung im Vorfeld schon recht groß.
Als Vorgruppe sollte an diesem Abend die Band KOM aus Münster und Dortmund spielen, welche ich schon einmal im vergangenen Jahr als Vorgruppe von Gregor Samsa im Café Steinbruch gesehen habe. Doch wer oder was da nun als Support-Act auf der Bühne des FZW stand ist mir bis heute nicht ganz klar. Die beiden anwesenden Herren sollten - nach geändertem Eintrag auf der last.fm-Seite - zu dem Projekt Teamforest gehören, welches aber eigentlich nur aus einer Person besteht. Außerdem kamen mir die beiden Herren, welche sich hinter ihrem Laptop verschanzt haben, sehr bekannt von der Gruppe Kom vor, daher bin ich nun etwas verwirrt, um wen es sich da nun wirklich gehandelt haben könnte. Nichts desto trotzbestand das "Set" der Beiden aus Klangcollagen ohne Beat, ein bisschen Gezwitscher hier und da und sphärische Klänge, die mal verzerrt und mal verhallt aus den Boxen schallten. Alles in Allem nichts Neues und/oder Spannendes, sowas hat man schon oft zu Ohren bekommen. Und auch irgendwie nicht so ganz der richtige Rahmen für das, was unsere Ohren noch erwarteten. In einem kleinen Club oder einem Festival im Loungebereich wäre das Gehörte sicherlich besser aufgehoben gewesen!
So wurde dann also die Pause zwischen den beiden Acts von meiner Seite etwas nach vorne geschoben und ich habe mir vor der Tür des FZW noch eine Zigarette und ein Bier in dieser lauen Nacht gegönnt. Nach nicht all zu langer Zeit und ein paar netten Gesprächen läutete auch schon das von der Konserve stammende Intro den Auftritt von Mono ein. Wer die Herrschaften noch nicht kennen sollte, Mono ist eine aus Japan stammende Band die im Jahre 1999 von Gitarrist Takaakira Goto gegründet wurde. Er schrieb zu diesem Zeitpunkt schon fleissig an Songs und suchte noch Mitmusiker, die er dann in Tamaki (Bass), Yoda (Gitarre) und Yasunori Takada (Drums) fand. Yoda und Goto kannten sich zwar schon zuvor, Goto wusste aber nichts davon, dass Yoda auch Gitarre spielt und so fanden sie sich dann doch letztendlich. Die Musik von Mono ist ausschließlich instrumental gehalten und nach eigenen Angaben von Mono stark von Bands wie Sonic Youth und My Bloody Valentine beeinflusst, doch auch Vergleiche mit Mogwai oder Godspeed You! Black Emperor sind an diese Stelle nicht falsch.
Die Musik von Mono lebt vom Wechsel mit Laut-Leise-Dynamiken und langsam aufbauenden Harmonien, welche dann in verzerrte Gitarrenwände ausbrechen und auch hier und da Raum für andere Instrumente wie Cello und Klavier lassen. Letzteres kam am heutigen Abend auch in Form eines Keyboards zum Einsatz, an welchem Tamaki gegen Ende des Konzertes kurz Platz nahm, um sich anschließend wieder Ihrem Bass zu widmen.
Doch fangen wir von vorne an! Wie schon erwähnt ertönte zu Beginn ein orchestrales Intro vom Band und die vier Protagonisten von Mono betragen die Bühne. Yoda nahm mit Gitarre seinen Platz im linken Teil der Bühne ein, Tamaki am Bass platzierte sich in der Mitte vor Drummer Takada, der vor einem riesigen Gong sein Zuhause für die kommenden rund 90 Minuten gefunden hatte. Direkt vor mir und rechts auf der Bühne nahm dann Goto auf einem Schlagzeughocker und vor seinen vielen Effektgeräten Platz. Die Art wie er und Yoda Ihre Gitarren spielen ist für jemanden wie mich faszinierend. Ich konnte leider nicht so viel von Yoda mitbekommen, aber das was Goto da direkt vor meinen nicht schlecht staunenden Augen vollbracht hat war beeindruckend! Ich habe selten einen Gitarristen gesehen, der so filigran und durch das gesamte Set hindurch an den beiden Reglern seiner Gitarre herumjustiert wie er. Ganz zu schweigen von der Emotionalität und Detailverliebtheit, mit welcher er zugange war! Sein Gesicht war die meiste Zeit hinter seinen schwarzen Zotteln verborgen, nur ganz selten konnte man mal die Mimik und das Gesicht von Goto erkennen. Die meiste Zeit des Konzertes saß Goto auf seinem Hocker und spielte von dort aus seine wunderschönen Melodiefolgen. Doch ab und an konnte er nicht mehr an sich halten und sprang auf, wirbelte seinen Kopf oder die Gitarre umher oder legte diese auch mal zur Seite, um anschließend die vielen Effekte auf seinem Gigboard zu bearbeiten. Dies waren oft extrem verhallte und verzerrte Parts, welche durch seine Manipulation an den Effekten noch interessanter wurden. Was auch bemerkenswert war, war seine Art den Takt bei einem Stück mitzuzählen, indem er wie ein Komponist mit seiner rechten Hand den Rhythmus nachbildete. Alles in Allem eine starke Nummer!
Los ging es mit Ashes In The Snow vom letzten Album Hymn To The Immortal Wind. Das Xylophon-Intro wurde von Tamaki (und Drummer Takada?) gespielt bis Yoda und Goto mit Ihren Gitarren einsetzten. Wunderbar episch, wie die vier den ersten Song hier vortrugen. Als nächstes folgte, wie auch auf dem Album selbst, Burial At Sea mit seinem herrlich hymnischem Intro. Danach gab es Kidnapper Bell, welches dann in den Song Pure As Snow überging. Die Orchestrierung vom Album gab es heute natürlich nicht zu hören, aber man merkte nicht, dass den Songs irgend etwas "fehlte". Die Musik war stimmig, die vier Musiker absolut perfekt aufeinander eingespielt und es war einfach nur klasse, Mono bei der Arbeit zuzuschauen und zu hören. Drummer Takada hat hauptsächlich mit Paukenschlägeln sein Schlagzeug bearbeitet und der mitgebrachte Gong kam nur ein Mal für zwei Schläge zum Einsatz. Was für ein Aufwand, aber dafür kam dieser Gongschlag auch als Abschluss (von - ich glaube - Kidnapper Bell) wunderbar zum Tragen und krönte die entstandene Atmosphäre, die Mono versprühten, noch mal enorm. Zwischenzeitig ist Takada auch anz entspannt und kauert sich auf seiner Snare zusammen, bis er dann wieder mit seinem ruhigen aber absolut treffendem Spiel einsetzt. Soweit ich das verfolgen konnte hatte Takada auch fast gar nicht die herkömmlichen Drumsticks im Einsatz sondern entweder eben die Paukenschlägel oder Rodsticks - auch eher ungewöhnlich für einen Schlagzeuger. Als nächstes gab es Sabbath, um dann beim Intro von Yearning wieder etwas Fahrt heraus zu nehmen und nach dem ruhigen Intro dieses Songs neu zu einer Attacke der Gehörgänge anzusetzen, im positiven Sinne versteht sich! Der Sound Im FZW-Club war wieder mal absolut klasse, die Lautstärke war von Beginn an ausreichend und steigerte sich im Laufe des Gigs noch mal deutlich. Zugegebenermaßen war die Gitarre von Goto gegen Ende ein wenig übersteuert, aber so genau haben das die Sinnesorgane dann auch nicht mehr wahrgenommen - und vor allen Dingen hat es auch nicht gestört sondern war der "Dramatik" des Konzertes absolut angepasst. Die Bassistin Tamaki wirkte während des gesamten Auftrittes von Mono irgendwie gelangweilt, wenn man ihre Gesichtsausdrücke versucht hat zu interpretieren. Vielleicht tue ich ihr auch Unrecht, jedenfalls tat es ihrem Bassspiel keinen (hörbaren) Abbruch. Auch beim Wechsel ans Keyboard wirkte sie nicht wirklich erheitert, Follow the Map folgte als nächstes Lied, direkt danach gab es Halycon zu hören. Den letzten Song spielten Mono dann nach gut 80 Minuten, verabschiedet wurden wir mit Everlasting Light.
Das Publikum dankte Mono mit ausführlichem Applaus, leider gab es keine Zugabe mehr an diesem Abend. Insgesamt waren aber alle Anwesenden allem Anschein nach sehr zufrieden mit dem Dargebotenem, auch während des Konzertes gab es keine Zwischenrufe und Gröhler wie zuletzt bei Russian Circles, was die fast schon sakrale Atmosphäre während des Konzertes kontinuierlich weiter auf uns Besucher einwirken ließ. Manche feierten bei den Distortion-Parts richtig ab, andere wiederum standen mit verschlossenen Augen im Raum und ließen die Musik von Mono einfach nur auf sich wirken, Headbanging in Reinform gab es auch (schönen Gruß an den freundlichen jungen Mann neben mir!) und so waren am Ende alle glücklich und zufrieden. Danke erneut dem FZW für diesen gelungenen Konzertabend, danke dem freundlichen Publikum, Gruß an die bekannten Gesichter und natürlich Danke an Mono für dieses hymnische Konzert! Auch wenn Mono mir sonst auf ihren Alben manchmal zu schwülstig und teilweise schon fast kitschig rüberkommen, so haben sie mich an diesem Abend mit ihrem Konzert überzeugen können! Gerne wieder!
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