Support: The Pack A.D.
Die virtuosen Punk-Rock-Veteranen NoMeansNo aus Vancouver, Kanada stattetem dem Druckluft in Oberhausen am 28.04.2010 einen Besuch ab. Die Band gibt es seit mittlerweile 31 Jahren, 1979 gegründet von den Brüdern Rob (Bass/Vocals) und John Wright (Drums, Vocals, Keyboard). Im Jahr 1983 kam dann Andy Kerr als Gitarrist hinzu, der allerdings 1992 durch seinen Weggang von Tom Holliston ersetzt wurde. Als weiteres "Bandmitglied" ist Craig Bougie zu zählen, der "Sound Man Extraordinaire", welcher zuständig für den Klang auf den Konzerten ist. Der Name NoMeansNo ist einem Anti-Vergewaltigungs-Slogan entliehen.
NoMeansNo machen keinen straighten Punk, vielmehr ist ihr Sound sehr durch eine gewisse Funk-Rhythmik geprägt, wodurch sich NoMeansNo deutlich vom herkömmlichen Punk- oder Hardcore-Sound absetzen. Ausschlaggebend hierfür ist die Art und Weise, wie John sein Schlagzeug schlägt in Kombination mit den stetig treibenden Bassläufen seines Bruders Rob.
Nachdem die ebenfalls aus Vancouver stammenden The Pack A.D. dem Publikum zuvor schon mächtig eingeheizt hatten betraten gegen 20 nach 10 die drei alten Herren die Bühne des sehr gut gefüllten Drucklufts. Wenn man die mittlerweile um die 50 Jahre alten Herren von NoMeansNo sieht glaubt man gar nicht, wie sie eine derartige Show zu leisten instande sind, die uns während der kommenden rund 90 Minuten erwartete!
Mit den für die beiden Wright-Brüder typischen humorvollen Ansagen ans Publikum begrüßte uns die Band und wurde bereits von Anfang an begeistert empfangen. Da NoMeansNo ein unglaublich großes Repertoire an Songs haben fragte Rob scherzhaft, wieviel Zeit wir denn so mitgebracht hätten, rund 25 Songs habe die Band geplant zu spielen - sofern das Publikum denn wolle. Los ging es dann mit einem für NoMeansNo-Verhältnisse recht ruhigen Song, mit welchem sich die Band anscheinend erst mal eingroovte. Doch schon mit dem zweiten Song zeigten uns die Männer, wo der Hammer hängt!
Rob flitzt über seinen Bass wie kein Zweiter, sein virtuoses Bassspiel ist wirklich imposant anzusehen und kickt wie Sau! Dabei wechselt er scheinbar gemütlich von Akkordfolgen zu Melodieläufen, zieht eine Grimasse nach der anderen und tobt über die Bühne - und das mit rund 55 Jahren! Da kann sich so mancher Jüngling noch eine Scheibe von abschneiden! Sein Gesang ist nicht minder intensiv, teilweise denkt man auch, gleich verschluckt Rob das Mikro! Der Gesang erfolgt häufig im Wechsel mit Bruder John, doch auch Tom Holliston singt den ein oder anderen Song und übernimmt beizeiten die Backing Vocals.
Ihn an seiner Gitarre zu beobachten ist nicht minder interessant, auch wenn Tom von den Dreien von NoMeansNo am "introvertiertesten" im Vergleich zu den Wright-Brothers wirkt, die sich auch gerne mal Mr. Right und Mr. Wrong nennen. Wie auch schon beim Konzert vor rund 2 1/2 Jahren im Düsseldorfer Stahlwerk kann man beobachten, wie Tom von Song zu Song immer weiter auftaut, was nicht zuletzt auch am Grad seiner Schweißentwicklung erkennen kann - zuletzt war sein Hemd nur noch zum auswringen zu gebrauchen.
John hintern seinen Drums hingegen scheint in einer anderen Welt, wenn er mit seinem Spiel beginnt. Er hat oft die Augen verschlossen, wenn er seine Beats schlägt und tritt, die absolut auf den Punkt kommen, und das trotz seiner vertrakten Spielweise, die durch eine Vielzahl an Breaks und Wechseln nie langweilig wird! Gerne streckt er auch seine Zunge spitz heraus und verdreht den Blick, dabei singt er seine Parts mit Leib und Seele. Die Ansagen ans Publikum betreiben die beiden Brüder meistens zusammen und man fühlt sich in einer Comedy-Radioshow, wenn die beiden anfangen ihre Witze zu reißen.
Das Publikum ist wie erwähnt von Beginn an begeistert, was die Band durch ihr wildes Set und ihre sympathische und begeisternde Art in immer weitere Höhen trägt. ZWischendurch wurde wild gepogt, die Refrains mitgegröhlt und alle hatten einen Mordsspaß an diesem Abend!
Mit dem Song Humans ging dann das reguläre Set nach rund 70 Minuten zu Ende, doch das Publikum wollte seine Helden noch nicht in den ehrlich gesagt wohlverdienten Feierabend entlassen. Und NoMeansNo haben dies bereits im Kalkül und kommen nach wenigen Minuten des andauernden Applauses wieder zurück auf die Bühne des Druckluft, um uns noch einige weitere Kracher zu präsentieren.
Dass die drei Männer nun schon über eine gute Stunde voller Energie über die Bühne gefegt sind, merkt man ihnen nicht an, abgesehen von den schweißgetränkten Hemden. Die Zugaben von NoMeansNo wurden noch mal mit letzter Kraft zum Besten gegeben, welche wiederum vom Publikum wild abgefeiert wurden! Der schöne Fender-Bass von Rob schien aber seinen Geist aufgegeben zu haben - und auch kein Wunder, bei
dem was wir bisher erleben durften!
So stand Rob zunächst ohne Instrument am Mkrofon, bis dann aus dem Backstage ein anderer, recht einfacher Bass gereicht wurde, den Rob erfreut entgegen nahm. Klinke rein, den Verstärker erst mal auf Anschlag hochgedreht, um wenigstens ein bisschen den Druck seines Fenders mit diesem anscheinden sehr einfachen Instrument zu erreichen - und dann leuteten NoMeansNo ein fulminantes Finale ihres heutigen Gigs ein!
Es ist immer wieder eine Freunde NoMeansNo bei der "Arbeit" zuzuschauen. Und absolut beeindruckend, was man in dem Alter noch an Energie und Spielfreude an den Tag legen kann! Dagegen wirkt so manche junge Band wie auf Morphium im Verlgeich zur Bühnenpräsenz von NoMeansNo. Getreu dem Motto: Old is the new young! Viva NoMeansNo! Auf ein nächstes Mal!
Review-Text: Jacques Moch
Fotos: Michael Kuchenbecker
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Antwort #3 am: 05. May. 2010, 21:55:13 Uhr