Montag ging es mal wieder ins nah gelegene Café Steinbruch in Duisburg, den exzellenten Shuttle-Service des Hauses habe ich auch wieder in Anspruch genommen. Das Schöne an der Sache ist, dass egal wieviele Besucher sich gegen halb 8 am Treffpunkt am Duisburger Hauptbahnhof eingefunden haben, die immer netten Fahrer lassen niemanden stehen und fahren so oft, bis alle Konzertbesucher sicher im Café Steinbruch angekommen sind. Ich kann nur immer wieder betonen, ein 1A-Service!
Dieser Abend versprach schon anhand der Anzahl der Besucher, welche sich via last.fm angekündigt haben, gut besucht zu werden, und so war es dann auch wie erwartet. Die Kneipe des Steinbruchs füllte sich unentwegt mit immer neuen Besuchern, die entweder mit einer weiteren Fuhre des Shuttles gekommen waren oder die sich selbst auf den Weg nach Duisburg gemacht haben. Das Publikum war wie meistens hier sehr gemischt, von jungen Indie-Anhängern über Menschen mittleren Alters und sogar eine sage und schreibe 81-jährige Isländerin war als Gast anwesend!
Gegen 10 vor 9 begann dann die Vorgruppe Hudson Wayne, die wie der Hauptact des Abends aus der Hauptstadt Islands - aus Reykjavik - stammen. Hudson Wayne besteht aus vier Musikern, als da wären Þráinn (Vocals/Bass ), Biggi (Keyboards/Gitarre), Þorri (Drums) sowie Ólafur Jónsson (Gitarre). Der Start des Sets war ein wenig langwierig, da anscheinend Ólafur noch Probleme mit dem Equipment hatte, wie auch von Þráinn mit seiner sehr dunklen Stimme kommentiert. Als dann aber das Kabel am richtigen Ort war und das Bottleneck auf dem Finger von Ólafur saß konnte es losgehen. Hudson Wayne machen sehr ruhigen Alternative, der teilweise an Iliketrains erinnerte. Vor allen die Stimme von Þráinn lässt direkt diesen Vergleich zu. Die Songs von Hudson Wayne sind allesamt in ähnlich ruhigem Stil gehalten und es gab kaum "Ausbrecher", wie man sie von oben genannten Iliketrains zum Beispiel her kennt. Alles in Allem war das Ganze, was Hudson Wayne präsentierten absolut nicht schlecht, doch es wirkte eher wie eine etwas gehobene Schülerband, die da auf der Bühne stand. Lediglich die wirklich überaus tiefe Stimme von Þráinn peppte das Ganze erheblich auf, und auch diese blieb mir sehr im Gedächtnis. Soweit ich weiß haben Hudson Wayne bisher ein Album veröffentlicht, und wer weiß, vielleicht haben sie sich ja beim nächsten Longplayer schon einen gutes Stück weiterenwickelt. Ich werde dies mal im Auge behalten.
Die Umbaupause wurde zum Genuß eines weiteren Hopfengetränkes genutzt, an diesem Abend herrschte im Konzertsaal Rauchverbot. So konnte man dies auch in der Kneipe des Steinbruchs erledigen, bis dann relativ zügig die Karawane der Konzertbesucher mehr oder minder geschlossen in den Konzertsaal zurück ging. Die insgesamt sechs Musiker (normalerweise sind es sieben) von Seabear - ebenfalls aus Reykjavik/Island stammend - positionierten sich auf der Bühne und begannen ihr Konzert. Zu Seabear gehören mittlerweile Sindri Már Sigfússon (Vocals/Gitarre), Örn Ingi Ágústsson (Gitarre), Guðbjörg Hlín Guðmundsdóttir (Violine, Glockenspiel, Mundharmonika), Kjartan Bragi Bjarnason (Drums),
Halldór (Dóri) Ragnarsson (Bass), Sóley (Keyboard) und Eiríkur Rafn Stefánsson (Trompete). Eine bunte Mischung also, die einen sehr interessanten und verträumten Indie-Sound mit Folk-Anleihen entstehen lässt. Zunächst startete Seabear allerdings als Soloprojekt von Multi-Instrumentalis Sindri, später kamen dann zunächst Örn Ingi und Guðbjörg hinzu, im weiteren Verlauf der Bandgeschichte entwickelte sich die Band dann auf die heute sieben Musiker.
Das neue Album von Seabear We Built A Fire erscheint am 5.3. und wurde an diesem Abend überwiegend gespielt, wobei auch einige wenige Nummern aus dem Debut The Ghost That Carried Us Away gespielt wurden. Die Kombination aus "normalen" Instrumenten in Verbindung mit der Violine und der Trompete war höchst interessant und erschien mir voll und ganz stimmig. Ich kannte den Output der Band vorher noch nicht, war aber extrem angetan von dem, was Seabear uns hier darboten. Die etwas kauzige Art von Sindri machte die ganze Angelegenheit überaus sympathisch und sowohl Publikum als auch die Band selber hatten sichtlich Spaß an dem Konzert.
Was sehr lustig, weil einfach fremd, daherkam war das Einzählen der Songs auf isländisch, was für unsere Ohren schon ziemlcuh unbekannt aber interessant wirkt. Die Ansagen von Sindri mit seinem isländischen Akzent waren allesamt sehr freundlich und er bezog das Publikum gut mit ein. Entweder indem er das Publikum aufforderte, ohne Scham die Handy-Kameras zu zücken und Aufnahmen zu machen und diese dann bei Youtube zu posten. Oder aber, falls man gerade ein Date hier habe, solle man bei dem nächsten gespielten Song doch einfach seinem Date einen Kuss geben, der Typ auf der Bühne wäre ja der Anstifter zu dieser "Tat". Er ließ auch verlauten, dass Seabear das erste Mal in Duisburg seien und sich sehr wohl und mit diesem Publikum fühlten. Ganz besonders sympathisch fand ich, wie Sindri bei einem Song zunächst seine Gitarre mit der Picking-Technik spielt, dann aber zum Akkorde spielen übergeht. Der Übergang von "Handarbeit" in Gitarrenspiel mit Plektrum schien im nicht so einfach von der Hand zu gehen, wofür er auch drei Anläufe benötigte. Aber er überspielte dies derart charmant mit seinen Ansagen, dass ihm dies sofort verziehen wurde und der Song dann auch zum Besten gegeben werden konnte. Sehr beeindruckt hat mich auch das Violinenspiel von Guðbjörg Hlín, die ebenfalls gesungen hat und eine seltsame Mundharmonika spielte. Auch die Trompete von Eiríkur Rafn war im Kontext zur Band einfach nur umwerfend schön! Örn Ingi an der E-Gitarre spielte ebenfalls durchweg sauber und verpasste der Musik die passend-dezente Note Verzerrtheit und Halldór am Bass hielt zusammen mit Kjartan den Groove am Laufen. Wunderbar!
Nach einer guten Stunde, die absolut kurzweilig an mir vorüber ging, war das Kontert nach einer Zugabe der Band mit enthusiastischem Chorgesang beendet. Der Island-Exoten-Bonus kam heute im Café Steinbruch exzellent zum Tragen und die Band Seabear ist definitiv eine Empfehlung an Alle, die eigenständigen Indie-Folk-Pop mit Hirn und Herz mögen! Schaut Sie Euch unbedingt an, wenn sie in Eurer Nähe spielen sollten!
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