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Transatlantic - Konzert Review - Live Music Hall, Köln - 08.05.2010

Di. 11 Mai 2010

Review-Text: Jacques Moch
Fotos: Michael Kuchenbecker

Transatlantic - Foto von Michael KuchenbeckerZum ersten Mal seit gut 8 Jahren ist die Supergroup um Neal Morse (ex- Spocks Beard), Mike Portnoy (Dream Theater), Pete Trevawas (Marillion) und Roine Stolt mit ihrem drittten Output „The Whirlwind" wieder in deutschen Landen auf Tour. Dieses schon exzellente Lineup wird durch Pain of Salvation Mastermind Daniel Gildenlöw als Gast komplettiert und zieht am Samstagabend gut 1500 progressiv begeisterte Musikhörer in die ausverkaufte Live Musik Hall nach Köln. Angekündigt als „An Evening with Transatlantic" ist schon im vorraus klar: Das wird ein anstrengender Abend mit vielen Melodien, komplexen Rhythmen und vor allem eines, Longtracks in Hülle und Fülle. 

So beginnt das Konzert auch pünktlich um 19 Uhr in der schon proppevollen Halle mit dem eigentlich einzigen Stück des aktuellen Albums, dem fast 78 minütigen Mammutwerk „The Whirlwind". Da die Melodien sich einfach noch nicht so im Ohr festgesetzt haben wie die der weitaus älteren Alben ist es anstrengend der Musik zu folgen, dennoch feiert das Publikum recht schnell die Musiker und vor allem ihr Verhalten auf der Bühne ab.

Transatlantic - Foto von Michael Kuchenbecker Mit mehr Spielfreude hat man die Akteure in ihren Hauptgruppen selten gesehen. Mike Portnoy verschwindet nicht wie bei Dream Theater hinter einem Monster-Schlagzeug im Gegenwert eines Mittelklassewagens und ist aufgrund seiner Position vorne am rechten Bühnenrand sehr gut beim spielen zu beobachten. Neal Morse ist wie gewohnt ein Strahlemann ohne aufgesetzt zu wirken, Pete Trewawas hüpft regelrecht über die Bühne und Multiinstrumentalist Daniel Gildenlöw springt im Hintergrund von E-Gitarre und Mikro zu Keyboard, Percussion und Akustikgitarre. Nur Roine Stolt wirkt etwas zurückhaltender aber dennoch sieht man ihm den Spaß an der Musik an. Dazu sei noch anzumerken, dass alle Aktuere neben ihrem Instrument noch mächtig ins Mikro pusten und jeder einzelne auch dies perfekt bis gut beherrscht. Solch lupenreinen mehrstimmigen Gesang bekommt man live selten geboten.

Transatlantic - Foto von Michael KuchenbeckerAuch gelegentliche Aussetzer von Neals Macbook und die damit verbundenen Verluste zahlreicher virtueller Instrumente, was ihn dazu zwingt einige Parts auf der Hammondorgel zu spielen, tut der Stimmung auf und vor der Bühne keinen Abbruch. Der für seine extreme Gläubigkeit bekannte Neal nimmt mit Humor und kaspert herum und witzelt „vielleicht sollten wir ein Gebet schicken" vor dem elektronischen Querulanten.

  Nach diesem endlosen Longtrack läuten die Musiker erstmal eine knapp 15 minütige Pause ein, die auch dem Publikum in der mittlerweile unangenehm aufgeheizten Halle sichtlich Erleichterung verschafft. Gibt's in der Live Music Hall eigentlich keine Lüftung?!?

Transatlantic - Foto von Michael KuchenbeckerNachdem sich der ein oder andere ein Bier besorgt hat und viele vor der Tür Luft geschnappt haben, ging es in der für den Besucher positionstechnisch neu durchgemischten Halle zum zweiten, nicht minder langen Set weiter. Diesmal mit einem weitaus kürzeren Titel. Die nur 30 Minuten von „All of the Above" vom Erstlingswerk der Transatlanticer werden frenetisch als Highlite gefeiert. So hatte man nun 2 Lieder gehört, aber schon gut 2 Stunden Musik auf die Ohren bekommen. Die folgende kurze (wirklich mal nur 5 Minuten) Ballade „We All Need Some Light" wird mit einem nicht hundertprozentig rein gespielten aber dennoch überzeugenden Akustikgitarren Intro von Neal Morse dargeboten bevor Roine überraschenderweise den Gesang übernimmt, der auf CD noch von Neal intoniert wurde. Es folgte ein weiterer Epic „Duel With the Devil", bei dem der Titel sich natürlich auch klanglich bemerkbar machte.

Transatlantic - Foto von Michael KuchenbeckerAn Überraschungen mangelte es beileibe auch nicht. Hier und da improvisierte die Band an Passagen mit denen man nicht gerechnet hatte oder forderte die Menge auf „Rock the House" und ein Kopfschütteln des Schlagwerkers Portnoy signalisierte, das war nicht genug und das Publikum erhielt eine weitere Chance. Vor allem aber beim letzten Titel wirkten die Musiker wie im Rausch, so dass Portnoy sich sogar kurzerhand, als Neal die Drums übernahm (der Mann kann irgendwie alles!), sich zum Stagediving entschloss. Etwas über eine Minute dauerte es dann bis der sympatische Drummer wieder zurück zur Bühne getragen wurde, der nicht lange inaktiv blieb, sondern Daniel Gildenlöw zu sich rief, welcher mittlerweile bei Pete Trevawas die Basssaiten zupfte, der wiederum mit umhängenden Bass die Keys von Neal bediente. Die beiden sangen dann ganz offensichtlich sehr planlos und etwas ratlos irgendeinen Text, bevor alle langsam wieder an ihre Instrumente gingen um zum finalen Paukenschlag auszuholen. Die zurecht begeisterte Menge feierte die Supergroup ab und nach schon nahezu 3 Stunden Musik entlockte man ihnen noch eine Zugabe. Ganz ruhig und besinnlich stimmten Roine und Neal ein balladeskes „Bridge Across Forever" an, um danach noch mal den sehr langen Titel „Stranger in Your Soul" ins Publikum zu schmettern. Der Sound an diesem Abend ging voll in Ordnung. Nur Gastmusiker Daniel Gildenlöw konnte man mit seiner Gitarre allerdings selten wirklich orten, das machte dieser aber durch seinen Bewegungsdrang fast wieder wett.

Transatlantic - Foto von Michael KuchenbeckerNach über 3 Stunden hatte der Spuk dann ein Ende. Das zufriedene, gar begeisterte Publikum bahnte sich seinen Weg aus der Halle. Ein gelungener Abend mit einer Band, die den Titel Supergroup auch wirklich verdient. Und das nicht nur wegen ihrer Musikalität, sondern auch die Präsenz und der absolut authentische Spaß der Musiker zeigt nicht nur ihre Professionalität, sondern auch ihre Liebe zur Musik.




 

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