Nachdem uns also nun die beiden Vorgruppen Thank You aus Baltimore und PTTRNS aus Köln den Abend geebnet hatten warteten wir auf die drei Musiker von Battles aus New York, die mit gerade frisch in den Läden stehendem Album ihre kleine Deutschlandrundfahrt hier in Dortmund im FZW starteten.
Die Battles starteten im Jahr 2002, ab 2004 ging es als Quartett weiter und im Zuge der Aufnahmen zu dem aktuellen Album Gloss Drop (ein Album Review zu Gloss Drop findet ihr hier) trennten sich John Stanier (Helmet, Tomahawk) am Schlagzeug, Ian Williams (Don Caballero, Storm & Stress) und David Konopka (Lynx) von dem Experimental-Tüftler Tyondai Braxton. Noch gemeinsam entwickelten sie diesen für die Battles typisch frickligen Sound, der sich zwischen Elektronik, Math-Rock, manchmal Indie, aber öfter schwer experimentellen (man könnte es Experimetal nennen) Klangsphären irgend wo im Schwebezustand einpendelt. Im Mai 2007 erschien dann auf dem renommierten Warp Label aus England das Debutalbum Mirrored, welches allernorts hoch gepriesen wurde und einen Meilenstein in neuartig-experimenteller Musik markierte.
Nachdem Tyondai Braxton also während der Aufnahmen zu dem heiß erwarteten Nachfolgealbum bei Battles ausstieg durfte man gespannt sein, wie a) das neue Album nun ohne ihn klingen würde (es gab zu lesen, dass all seine Spuren gelöscht wurden) und b) die Band das als Trio live umsetzen wollen. Für das neue Album haben sie Braxton's Stimme, die größtenteils arg verfremdet aus den Boxen schallte, mit ein paar exzellenten Gästen besetzt. Mit dabei sind Kazu Makino (Blonde Redhead), Yamantaka Eye (Boredoms) und Matias Aguayo.
So waren unsere Erwartungen an den Abend nicht gerade gering, doch wir freuten uns auf den Auftritt der Battles, nachdem uns die Support-Acts schon mal langsam in Richtung Betriebstemperatur gebracht hatten. Gegen 22.15 Uhr betraten die Drei dann die Bühne, Konopka posierte sich rechts, und hatte viel Platz im Rücken. Stanier nahm zuerst hinter seiner Hütte auf einem Case Platz und schüttelte eine Rassel, während Williams sich zwischen seinen beiden Keyboards einen Platz suchte, die mit einer Unmenge an Kabeln gekoppelt und mit Computern verbunden waren. Die Keyboards waren sehr untypisch in einem sehr steilen Winkel aufgestellt, sodass Williams schnell von der Gitarre zu den Tasten wechseln konnte. Konopka war laufend damit beschäftigt seine Rack-Looper zu füttern, ganz zu schweigen von den vielen weiteren Fußtretern, die auf seinem Effektboard fein ordentlich angeordnet einen Platz ergattern konnten!
Nachdem Stanier sich dem Anschein nach in einen leichten Trancezustand gerasselt hatte wechselte er hinüber zu seinem Schlagzeug, das wie für ihn typisch Erstens ziemlich klein oder tief wirkte, und Zweitens dessen Crash-Cymbal in gefühlten zwei Meter Fünfzig (das muss man ausschreiben, um es zu glauben - oder eben sehen!) wie eine Sonne im Abendhimmel funkelt. Und dann begann er, seine vertrackten Rhythmen in die Felle zu kloppen! Bis dann der unvermeidliche Wechsel kam, der natürlich mit einem standesgemäßen Beckenschlag eingeläutet wurde! Und der natürlich aus dem Sitzen heraus erfolgte! Bevor dann Off-Beat-like der Rhythmus den Song weiter nach vorne peitschte.
Der restliche Sound, der uns dank der Battles zu Ohren kam, ist schwer zu differenzieren. Was genau kommt nun aus der Gitarre, was genau aus dem Bass, was genau steuern die Computer bei? Doch eigentlich ist das alles völlig wurscht! Zu sehr groovt die ganze Geschichte, reisst mit, lässt staunen, fordert hin und wieder, macht im Endeffekt aber unglaublich Spaß! Konopka schien eher als der verkopfte Typ, der die Fäden grob zusammenhält, die Übergänge einläutet und ganz genau weiß, wo er wie zu schalten und walten und die Saiten zu zupfen hat! Stanier hinter seinem Drumset ist voll in seinem Element und ihn scheint nur sein stoisches Schlagzeugspiel zu interessieren und die Tracks voran zu treiben. Williams hingegen wirkte ein wenig wie der Kasper, aber im Positiven! Er ging oft aus sich heraus, hatte sichtlich Spaß an seiner Position zwischen den Keys und Reglern und an den Saiten. Diese spielte er übrigens zum Großteil im Tapping oder in ähnlich unüblichen Techniken an.
Das Fehlen eines vierten Mannes wurde überhaupt nicht spürbar, was sicher auch mit daran lag, dass Battles ausschließlich Songs ihres neuen Album Gloss Drop spielten! Die Gastsänger wurden mittels Projektoren auf die Bühne neben dem Schlagzeug projiziert, und das gleich im Doppel. Ein netter Effekt, der die Stimmen nicht einfach nur so vom Band kommen ließ und der die Drei nicht dazu zwang, selbst an die Membrane zu müssen. Die Songs wirkten alle perfekt, ebenso wieder der Sound im FZW! Das Licht tat sein Übriges und ließ das Konzert von Battles zu einer tollen Party werden! Etwas mehr Publikum hätte die große Halle des FZW definitiv noch vertragen, doch die Dagewesenen hatten sichtlich Spaß und gingen angemessen tanzend, zappelnd oder auch nur gucken und wippend mit! Jeder nach seiner Fasson halt.
Nach einer guten Stunde verließen die Battles unter großem und gerechtfertigtem Applaus die Bühne. Doch das war uns ja wohl noch zu früh! Wir wollten noch mehr von dem Battles Sound erleben, und den gaben sie uns auch! Gute zehn Minuten Bonus wiederfuhren uns noch, bevor dann endgültig Schicht im Schacht war. Das in Hinblick auf den Konzertteil des Abends, anschließend konnte man noch die ganze Nacht bei der liebemachen-Party weiterfeiern. Wir hatten allerdings genug erlebt für heute, die Ohren hatten auch schon einen leichten Anflug von Tinitus, die Beine wurden schwerer...nach dem Programm auch kein Wunder! Erst Thank You mit ihrem schrillen Indie-Pop-Noise-Math-Rock, dann PTTRNS mit ihrem Indie-Disko und zuletzt dann Battles mit perfektem Math-Rock-Elektronika-Gefrickel! Was will man mehr! Daumen hoch!
Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an das FZW und Juicy Beats für die freundliche Unterstützung!
bttls.com
myspace.com/battlestheband
Juicy Beats Pre-Show
Teil 1: Juicy Beats Pre-Show: Thank You
Teil 2: Juicy Beats Pre-Show: PTTRNS
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Photos: Tim R.
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