Dredg, Amplifier und Milhaven im FZW, Dortmund am 03.06.2011
Regelmäßig lädt die Visions zum Tanze beim Club Sabotage im FZW in Dortmund und diesmal stand der Abend unter dem Zeichen der Progressiven Musik. Dredg polarisieren mit ihren letzten beiden Alben, Amplifier feiern ihre Wiederauferstehung mit dem Oktopus und Milhaven aus dem Ruhrgebiet legen ihre instrumentale Visitenkarte vor. Eine äußerst Interessante Mischung.
An der Halle bildet sich schnell eine beachtliche Schlange vor dem Einlass. Eine neugierige Stimmung macht sich beim wartenden Publikum breit. Aus mehreren Ecken hört man die vielen Dredg Fans über das neuere Material ihrer Band diskutieren. Die letzten beiden Alben treffen wohl nicht jedermanns Geschmack und man hofft auf viele ältere Songs. So steht dem Hauptact eine kleine Bewährungsprobe bevor.
Trotz des
zeitgleich stattfindenden „Rock am Ring" ist das FZW proppevoll. Den Anfang
machen Milhaven aus Bochum im Foyer.
Aufgrund der Örtlichkeit hat das Ganze eher etwas von einer Ausstellungseröffnung:
Die Musiker stehen in der Ecke des Raumes und die Zuschauer quetschen sich so
gut es geht drum herum. Ohne jedwede Lichtshow, mit Ausnahme der noch immer
sommerlich scheinenden Sonne, versuchen die vier Musiker das durchaus
interessiert wirkende Publikum in ihren Bann zu ziehen. Ein schwieriges
Unterfangen mit den sperrigen instrumentalen Songs, langen Spannungsbögen und
der etwas improvisiert wirkenden Umgebung. Zum Glück hilft der verhältnismäßig
gute Sound einem schnell in die verträumte Musik hinein zu finden. Ohne Unterstützung
durch eine Lichtshow wirkt die Musik über längere Strecke allerdings schnell
etwas eintönig und erinnert ein wenig an eine undynamische Variante von Long Distance Calling. Als
Appetithappen ein netter Einstieg. Milhaven
sollte man sicher mal bei einem regulären Konzert begutachten! - www.milhaven.org
Schnell musste man sein um noch einen vernünftigen - oder überhaupt einen - Platz für Amplifier im Club zu bekommen. Ärgerlich für viele wird es sicherlich gewesen sein, dass die grob geschätzt 1000 Leute die in die Halle passen natürlich nicht alle in den vielleicht 300 Musikbegeisterte fassenden Club reinkommen. Wieso eigentlich nicht zwei Bands in der Halle spielen lassen? Bei anderen Konzerten klappt es doch auch mit dem Umbau. So konnte man froh sein, mit Bier versorgt einen angenehmen Platz ergattert zu haben bevor die Band aus Manchester uns in den Ozean zum Oktopus entführt. Genau genommen bekommen wir erstmal die Beatles zu hören. In England hält man eben zusammen und so wählen Amplifier den Beatles Song „Octopus's Garden" als ihr Intro.
Mittlerweile unabhängig von Labels schlug ihr aktuelles Mammutwerk „The Octopus" in Fachkreisen ziemlich ein. Es war ein Befreiungsschlag vom mauen Vorgänger „Insider" und den erstickenden Verhältnissen unter ihrem damaligen Label. Auf ihrer aktuellen Tour werden sie noch von Oceansize Gitarrist Steve Durose unterstützt.
Das Programm besteht hauptsächlich aus Songs des aktuellen Doppelalbums. Die meist überlangen Titel grooven den Hören schnell in einen meditativen Zustand. Der Bass dröhnt und die Riffs zwingen einem zum Mitnicken. Es gleicht einem Stepptanz wie die Saiteninstrumentalisten ihre Sounds mit den wuchtigen Effektboards formen, verzerren und modulieren. Gerade bei soviel Technik ist die Fehlersuche wenn dann mal was schief geht etwas schwierig, doch auch vom plötzlichen Stromverlust vor seinen Füssen lässt sich Sänger und Gitarrist Sel Balamir nicht beirren und ist schnell wieder mit neuer Stromversorgung einsatzbereit. Vom mehrstimmigen Gesang ist in den ersten Reihen leider nicht ganz so viel zu hören. Die vier Musiker wirken nach einigen Shows ihrer Tour schon sehr sicher und spielfreudig. Einige Zuhörer dürften an diesem Abend Amplifier für sich entdeckt haben, viele hoben zumindest den Arm auf die Frage des Sängers, wer die Band denn vorher noch nie gesehen habe und auch sonst entwickeln sich die Reaktionen beim Konzert immer euphorischer bis hin zu Zugaberufe nach dem Auftritt. Die Band ist übrigens nächsten Samstag in Köln im Underground. Es würde nicht wundern, wenn man einige Gesichter dort wieder sieht. Schweißgebadet aber sehr glücklich konnte man nun zum letzten Act des Abends wandern. - www.theoctopus.info
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Mittlerweile mehr dem Pop zugewandt mussten nach dem überzeugenden Auftritt von Amplifier die Amerikaner von Dredg erst noch beweisen, ob sie rocken können. Bei glasklarem Sound und einer vollen Halle waren die Grundvorrausetzungen dafür schon mal gut. Die Songs wurden sehr präzise von den Musikern wiedergegeben und die gut aufgelegte Band hat das Publikum schnell im Griff. Sänger Gavin Hayes singt sich äußerst sicher durch das Programm und auch neueres Material kann live durch den etwas wuchtigeren Sound, da spielt sicher auch die Lautstärke eine Rolle, mehr überzeugen. Wer allerdings mit den Alben der Band nicht so sehr vertraut ist wird sicher Schwierigkeiten haben, die Songs zuzuordnen. Oftmals wird man das Gefühl nicht los, es wiederholt sich alles ein wenig. Das ist in soweit kein Problem, wenn der Grundsound passt und Spaß macht, ist aber dennoch ein etwas fader Beigeschmack. So bleiben Dredg zwar routiniert, mit erstklassigem Sound aber es fehlt an Dynamik und echten Aha-Erlebnissen. - www.dredg.com
Für läppische 20 Euro bekam man ein wirklich gutes Lineup bei durchgängig gutem Sound geboten. Etwas schade für die Vorbands war die Aufteilung in die drei verschiedenen Bereiche. Milhaven hatten so wenig Chancen sich neuen Zuhörern richtig zu präsentieren, Amplifier hätten sicher mehr mitreißen können, wenn denn mehr in den Club passen würden und Dredg lieferten eine solide und kurzweilige Show. Nach dem Konzert konnte man noch im Biergarten oder den verschiedenen Bühnen eine nette Alternative Party genießen und den Abend gemütlich oder auch tanzend ausklingen lassen. Daumen nach oben!
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weiter lesen...Schreibt eure lustigen, spannenden, Gänsehaut erzeugenden oder auch mal nicht so gelungenen Konzert-Erlebnisse in den Genres Post-Punk, -Rock, Doom, Metal, Instrumental, Noise, Avantgarde und Artverwandtem als Konzert-Bericht. Ebenfalls freuen wir uns immer über die neuesten Album-Reviews eurer persönlichen Favoriten in den genannten Stilarten. Werdet ein Teil des Profilneurotiker-Teams und lasst uns und Andere an euren Erlebnissen und Eindrücken teilhaben! Ab und an besteht auch die Möglichkeit mit verschiedensten Musikern und Bands ein persönliches Interview zu führen. Weiteren Vorschlägen in Form von konstruktiver Kritik oder Vorschlägen gegenüber sind wir natürlich auch immer aufgeschlossen.
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