Nachdem uns also Sabbath Assembly an diesem Abend mit ihren okkulten Klangkreationen schon ordentlich in Trance versetzt hatten warteten nun Alle ungeduldig auf den Auftritt von Dylan Carlson und seiner Band Earth aus Seattle.
Im Laufe der rund 30 jährigen Bandgeschichte gab es bei Earth eine Vielzahl an Umbesetzungen, Carlson ist als einzig Verbliebener der Stammbesetzung noch aktiv in der Band. Mit ihrem Debutalbum Earth 2 aus dem Jahre 1993 schrieben sie mal eben das allererste Drone Doom Album, das die Menschheit zu hören bekam. Die heutige Livebesetzung von Earth besteht aus Dylan Carlson an der Gitarre, Adrienne Davies am Schlagzeug, Lori Goldston am Cello (die auch schon beim Nirvana Unplugged Album mit von der Partie war, wie mir ein Fan verriet) sowie Angelina Baldoz am Bass.
In der Umbaupause wurden die vier Musiker schon von einigen Besuchern genauestens beobachtet, die Spannung knisterte förmlich in der Luft. Jeder der hier Anwesenden war heiß darauf, sich von den langsamen und tiefen Riffs in Zeitlupentempo, den dröhnenden Bässen und dem zarten Cello in ihren Bann ziehen zu lassen. Alle Vier bauten ihr Equipment selbst auf und begannen wie im Vorbeigehen ihren Auftritt mit einer kurzen Ansprache von Dylan. Er richtete sein Wort ans Publikum und bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen und dass er nichts dagegen habe, wenn jemand die Show aufnehmen oder Fotos schießen wolle, Fotos allerdings ohne Blitz (was sich ja von selbst versteht! Für manche leider aber dann doch nicht...).
Und so begannen Earth damit die von Sabbath Assembly begonnene Messe weiter zu führen, zwar mit anderen Zutaten für ihren ganz eigenen Sound, dennoch passte es einfach heute! Die Zuschauer gaben sich erneut voll und ganz den Klängen hin, die sie erreichten, auch hier sah man im mittlerweile fast vollem Gebäude 9 versunkene Köpfe und im Sound (im positiven Sinne) gefangene Körper, die sich im Takt hin und her wogen. Wir kannten eine alte Live-Aufnahme von Earth, bei welcher die Band anstelle von einem Cello von einem Rhodes Piano und von Bläsern (?) begleitet werden, so auch bei dem Song Ouruboros Is Broken, der hier aber durch das Cello deutlich an Energie zunahm und das Lied bedrohlicher als ohnehin schon erklingen ließ. Auch Coda Maestroso In F Flat Minor konnte sich in dieser Konstellation voll und ganz entfalten und man sah ebenso dem Publikum wie auch den Musikern an, dass sie gemeinsam auf einer düsteren und dennoch sanften Welle schwebten, die sie in die Nacht führte. Die Stücke des neuen Albums, die Earth an diesem Abend präsentierten, sind bereits mit Cello von Lori, und auch diese Songs wirkten live noch einmal deutlich intensiver als aus der Konserve!
Leider gab es dann zwischendurch doch jemanden, der die Worte "NO FLASH" nicht verstanden hat, was Dylan dann für eine kurze Weile doch sehr verärgerte. Er sagte - sinngemäß - dass wenn noch mal jemand seien Blitz benutzen würde, dieser mit einem Arschtritt hinausbefördert würde. Zurecht! Doch dazu musste es zum Glück nicht kommen und das Konzert ging dann auch gleich stark weiter, wie es kurz zuvor gewesen war. Für die letzten beiden Stücke gesellte sich der wirklich überaus talentierte Gitarrist Mike c 180 von Sabbath Assembly auf die Bühne und unterstützte Earth bei den beiden Songs Peace In Mississippi und Angels of Darkness, Demons of Light I, wovon letzterer das Titelstück des neuen Albums von Earth ist.
Dann kam natürlich wie es kommen musste; der Zug wartet nicht auf Konzertgänger, und so verpassten wir das Finale des Abends, leider! Und mit Wehmut! Doch das Erlebte vertröstete uns und ließ uns mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht den Heimweg antreten. Voll und ganz bewusst, einen denkwürdigen, fast schon sakralen Konzertabend mit zwei tollen Bands erlebt zu haben, und trotzdem noch leicht benommen von der Atmosphäre, die Sabbath Assembly und Earth im Gebäude 9 erschaffen hatten! Auf ein hoffentlich baldiges Wieder-Erleben einer oder gern auch beider Bands!
Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an ONKELPROMOTION für die freundliche Unterstüzung!
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