Obwohl das letzte Studioalbum von Fates Warning „FWX" vor mittlerweile sieben Jahren erschienen ist beglücken die Amerikaner momentan Europa mit ein paar handverlesenen Shows. Allerdings darf man sich laut ihrer Homepage auch über ein neues Album, das nach der Tour angegangen werden soll, freuen. Die 1983 gegründete Progmetal Band kann mittlerweile auf eine stattliche Veröffentlichungsliste zurückblicken und hat die Szene schon früh durch ihren einzigartigen Sound beeinflusst. Fette Riffs, komplexe Grooves, verträumte Zwischenteile und darüber der unverwechselbare Gesang von Ray Alder.
Das Gerangel um die Raucherclubs wird auch im Essener Turock deutlich. Nach kurzem ausfüllen eines Formulars ist man nun stolzes Mitglied in eben diesem und kommt schnell in die gut ausgestattete Halle. Auch wenn häufiger Konzerte hier stattfinden ist es für uns das erste Mal dass wir davon berichten können. Neben dem Konzertbetrieb findet jeden Freitag und Samstagabend eine Metaldisco statt, die über das ganze Ruhrgebiet und darüber hinaus bekannt ist. Der Laden ist gut ausgestattet, die großen Boxen, die von der Decke hängen lassen einen freuen, Ohrstöpsel dabei zu haben und auch die Lichtanlage scheint dem Konzertgenuss förderlich zu sein. Mit läppischen 16 Euro im Vorverkauf muss man noch erwähnen, ist es fast ein Schnäppchen das einem da geboten wird!
Das Turock füllt sich zu Konzertbeginn um 20 Uhr erst langsam. Als Support spielt Iron Fate aus Goslar. Die fünf Mannen versuchen die Konzertbesucher mit ihrem klassischen Heavy Metal mit leichter Powermetal Schlagseite für sich zu gewinnen. An diesem Abend allerdings mit einem leichten Handicap, aufgrund einer Verletzung wird einer der beiden Gitarristen vertreten. Das macht aber absolut nichts. Iron Fate machen ihre Sache durchaus ordentlich. An den Instrumenten meint man ein wenig Nervosität zu beobachten und das ein oder andere Solo wirkt noch etwas ungelenk, aber häufig fühlt man sich bei ihrer Musik an Gruppen wie Helloween erinnert. Das liegt nicht zuletzt an Sänger Denis Brosowski der in den meist hoch gesungenen Passagen äußerst sicher agiert ohne auf Dauer nervig zu klingen. Auch ist er der aktivste Posten der Metaller und springt von der einen zur anderen Seite der Bühne. Überzeugen können mich allerdings nicht alle Songs. Oftmals hat man das Gefühl die Riffs schon anderswo (besser) gehört zu haben. Wie die Musik beim Publikum ankam ist schwer zu sagen. Für viele Besucher, die vielleicht nicht so in der kutten-tragenden Metalecke zuhause sind, mag die Musik und die Performance ein wenig überzogen wirken. Zuviel Klischee, von den ständigen hochrecken der Fäuste, Mitsingspielchen bis zur etwas uneigenständigen Musik. Ihren knapp halbstündigen Auftritt beenden die Musiker noch mit zwei Coversongs. Ein Titel von Judas Priest, der wirklich perfekt zur Band passt und eine gelungene Version von Dios Klassiker „Holy Diver". Ob man bei einem so kurzen Auftritt wirklich fremdes Material spielen sollte ist eine andere Frage. Den Musikern und dem Großteil des Publikums hat es jedenfalls Spaß gemacht. Persönliches Fazit wäre dann „musikalisches Mittelmaß aber mit einem herausragenden Sänger - für die Art der Musik". Eingefleischte Powermetalfans werden sicher viel Spaß an Iron Fate haben und sollten sich die Jungs mal näher ansehen.
Im Internet war der Auftritt von Fates Warning für 21:15 Uhr angekündigt. Nach dem nicht allzu langem Auftritt von Iron Fate blieb also massig Zeit für... ja für was eigentlich? Umbau? War kaum nötig da sich die Bands die komplette Backline teilten. So musste nur das Schlagzeug leicht umgebaut werden, die Effekte und Amps der Musiker an den Start gebracht werden und die Instrumente gestimmt werden. Eine Sache von vielleicht 15 Minuten wenn man flott ist. Als es dann allmählich nahe der angekündigten Zeit kam stieg die Spannung und es geschah - nichts. Die leicht verlorenen Techniker wissen auch nichts weiter zu tun als dauernd die Gitarren zu stimmen und die Musiker des Abends ließen auf sich warten. 21:30 Uhr keine Musiker. Langsam wurde auch das Publikum ungeduldig, vereinzelte Pfiffe und Buh-Rufe. Keine Reaktion. Ärgerlich für alle, die am nächsten Tag arbeiten mussten oder noch eine weitere Strecke bis nach Hause hatten. Und das vor allem ohne ersichtlichen Grund.
Nach über einer Stunde „Umbau" begann dann endlich das Intro für Fates Warning. Dröhnende Bässe massierten die Magengegend als Vorbereitung schon mal durch. Länger ließ man die Zuschauer dann zum Glück nicht mehr warten und als die ersten Töne der Musiker erklangen war jeder Ärger direkt vergessen. Vom ersten Moment hing das Publikum an Ray Alders Lippen und sang fleißig und lautstark mit. Auf dieser Tour mit dabei ist der ehemalige Schlagzeuger der Band Bobby Jarzombek. Die Show wirkt aber vom ersten Moment, als existierte nie eine andere Besetzung. Der Sound ist nach ein paar Minuten direkt klar und druckvoll, allerdings fehlten mir vorne ein wenig die Gitarren. Ansonsten agieren die Musiker sicher und mit offensichtlichem Spaß. Etwas unterkühlt wirkt zwar Gitarrist Jim Matheos, aber nicht unsympathisch. Bassist Joey Vera bewegt sich neben Alder noch am meisten auf der Bühne.
Da dem Schreiber dieser Zeilen nicht alle Alben der Band bekannt sind gelingt es nur vereinzelte Titel zu erkennen. Vom letzten, mittlerweile ja auch alten Album FWX wird das packende „Another Perfect Day" recht früh in die Menge gesungen im weiteren Verlauf des Konzertes finden sich noch „Eleventh Hour", „Point of View" oder „Still Remains". Von epischen und vielseitigen Songs bis zu kürzeren knallenden Stücken beweisen Fates Warning eine schöne Dramatik gepaart mit einer Lupenreinen Performance. Auch bei unerwarteten Ereignissen bleiben die Musiker gelassen, so kann Ray Alder ein defektes Mikrostativ nicht aus der Ruhe bringen oder etwas aufdringliche Berührungsversuche weiblicher Fans. Knapp unter anderthalb Stunden spielt die Band bevor sie ihren verdienten Feierabend antreten können. Bei ihrem Auftritt in Turock zeigen Fates Warning eindrucksvoll, dass sie trotz des lange zurückliegenden letzten Albums noch voll da sind und man kann mit dem angekündigten Album auf eine weitere große Zeit für die Band schließen.
Ein gelungener Abend im Turock! Ein netter Support, gute Location und bestaufgelegte Hauptband. Was mich allerdings ein wenig ärgerte waren die Fotografen die den halben Abend schön mit Blitzlicht (gerne auch mal zur Seite Richtung Publikum gerichtet weil es sonst zu hell war) hin und hergehuscht sind. Wir wollen alle gute Fotos machen, aber ein wenig Rücksicht wäre da schon angebracht.
Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an das Turock für die freundliche Unterstützung!
Autor: Jacques Moch
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