Kyuss lebt! Die als Begründer des Stoner-Rock gehandelte Band aus Kalifornien wurde bereits 1988 gegründet und hat schon damals Stilelemente verwendet, die auch heute noch den Zeitgeist der Rock Hörerschaft trifft. Als sich die Band 1995 trennte entstand eine Lücke, die auch durch Nebenprojekte wie beispielsweise Queen of the Stone Age nicht geschlossen werden konnte. So entschied sich Sänger John Garcia 2010 mit komplett anderer Besetzung und dem Namen Kyuss Lives! das alte Material wieder auf die Bühne zu bringen. In diesem Jahr ging die Gruppe sogar fast mit Originalbesetzung auf Tour, nur Gitarrist Josh Homme wurde durch Bruno Fevery ersetzt.
Bei der Show im FZW in Dortmund gab es bei der Besetzung kurz vorher noch eine kleine Änderung. Bassist Nick Oliveri wurde Mitte Juli wegen häuslicher Gewalt festgenommen, konnte aber durch den früher ebenfalls in der Band spielenden Scott Reeder ersetzt werden. Als wir früh an der Halle ankommen tut sich noch nicht viel. Der Einlass hatte schon begonnen, aber viele Besucher fand man noch nicht vor. Als kurz vor dem zu 20 Uhr angekündigten Beginn die Halle im FZW noch immer nicht wirklich gefüllt war entdeckten wir endlich den Grund für die leere. Das Konzert war auf 21 Uhr verlegt worden. Uns hatte von vornherein schon gewundert, dass keine Vorband angekündigt worden war und da entweder viele Besucher von einer Vorband ausgingen oder wussten wann es wirklich los geht war eben noch nichts los. Im Laufe der verlängerten Wartezeit füllte sich das FZW jedoch. Erstaunlich viel junges Publikum findet sich in der Halle ein.
„Pünktlich" um 21 Uhr startet das Konzert mit einem treibenden Drumgroove, der angezerrte drückende Bass von Scott Reeder gesellt sich dazu und das Publikum setzt sich langsam in Bewegung. Lässig rocken Kyuss Lives! los. Sänger John Garcia betont cool mit Sonnenbrille unterstützt den rauen Sound perfekt und die Gitarre von Bruno Fevery versucht immer fettere Riffs ins Publikum zu schleudern. Der erdige Sound wirkt in keiner weise gekünstelt und das macht die Musik dieser Band aus. Hier wird authentischer Schweinerock geboten, der ohne Kompromisse und ohne gewollt hart sein zu wollen dargeboten wird. Diesen Spirit bringt das Quartett auch genauso authentisch auf die Bühne.
Zu späterer Stunde taut auch John Garcia etwas mehr auf, beginnt eine bisher ausgelassene Art Ansage, die aber erstmal zurückhaltend kaum als Worte denn als glückliche „Yeah-Ausstoße" zu werten sind. Neben den groovigen und fetten Sounds überzeugen Kyuss Lives! auch durch viele fast gejammt wirkende Parts und Soli, die einen geradezu in meditativen Zustand versetzen. So verliert man schnell jedwedes Zeitgefühl und so scheinen die Musiker viel zu schnell die Bühne wieder zu verlassen. Die obligatorische Zugabe fällt dafür umso länger aus. Erst instrumental gesellt sich dann auch ein sichtlich gut aufgelegter Sänger dazu und es wird noch eine knappe halbe Stunde weitergerockt. Dem „Stoner Rock" Tribut zollend fragt Garcia gestenreich noch nahezu unaufmerksam nach „etwas zu rauchen", bekommt aber nicht das, was er sich vorstellte.
Über 15 Jahre nach der Trennung von Kyuss ist die Musik nach wie vor aktuell und trifft den Geschmack von jungem und altem Publikum was wieder mal beweist, dass ehrlich gemachte Musik ohne Schnörkel oder Tricks einfach zeitlos ist. Zufriedene Gesichter verlassen das FZW und man darf hoffen dass diese Tour keine einmalige Geschichte bleiben wird und Kyuss tatsächlich lebendig bleibt.
Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an das FZW für die freundliche Unterstützung und an Sebastian Freitag für die Fotos!
Autor: Jacques Moch
Fotos: Sebastian Freitag
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