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Nicoffeine hatten uns nun also schon als Opener mächtig Dezibel um die Ohren und wilden Sound ins Gehirn gepustet, da ging es dann gegen 10 nach 10 los im gut gefüllten Gebäude 9 mit den Russian Circles aus Chicago.
Die drei Musiker der Russian Circles Mike Sullivan (Gitarre), Brian Cook (Bass) und Dave Turncrantz (Drums) sind absolute Perfektionisten, was den Sound, die Dynamik und Technik in ihren Songs angeht! Das zeigt sich nicht zuletzt in den beiden Effektboards, die Mike und Brian mit im Gepäck haben. Jenes von Mike war im Vergleich zu Boards von Gitarristen mit "normaler" Größe schon recht vergrößert, das von Brian als Bassist war sicherlich auch für einen Gitarristen mehr als genügend und mit vorzüglichen Gerätschaften ausgestattet. Russian Circles haben bisher drei Alben veröffentlicht, als Debut kam Enter 2006 heraus, zwei Jahre später Station und zuletzt 2009 Geneva. Es wird also Zeit für ein neues Album der Russian Circles, welches auch bereits in Arbeit ist und im Oktober diesem Jahres erscheinen soll.
Die Drei gingen an ihren Instrumenten in Stellung und starteten ihr Set unmittelbar auf gewohnt sehr hohem Niveau und mit einer Menge Wums aus den Boxen! Der Auftritt der Russian Circles im FZW letztes Jahr lockt uns noch heute ein Lächeln ins Gesicht, und so waren die Erwartungen an die Band, es uns ähnlich wuchtig zu besorgen, natürlich hoch gesteckt. Mit lediglich drei Strahlern hinter den Musikern und ein wenig Rotlicht von oben blieb die "Lichtshow" während des gesamten Auftritts der Russian Circles sehr reduziert, aber so hatte man die Chance sich voll und ganz auf die Musik der Russian Circles einzulassen und sich durch nichts ablenken zu lassen. Und die war wieder einmal erste Sahne! Da gibt es nichts, aber rein gar nichts zu Mäkeln.
In welcher Präzision Mike seinen Looper füttert lässt das Publikum und erst recht Gitarristen schon sprachlos staunen. Und das ohne groß die Möglichkeit zu haben, sich vier/viele Takte lang darauf besinnen zu können, nein! Mike schüttelt das nahtlos aus dem Ärmel, als würde er nie etwas anderes tun, als ein komplexes Riff nach dem anderen, eine Tapping-Sequenz im Wechsel mit Akkordfolgen und ähnlich Hochanspruchsvollem aus seiner geliebten Gibson zu kitzeln. Wie leichtfüßig er auch mit seinen fast schon an Ballettschuhe erinnerndem Fußwerk die Effekte und sogar einzelne Potis filigran bedient, in welch sanften Kurven er sein Volumepedal bedient, lässt auf einen Gitarristen schließen, der mit seinem Instrument und den Applikationen in FOrm der Effekte verschmolzen ist, zu einem Ganzen, einer Einheit gegossen.
Und Brian steht dem in Nichts nach! Auch er werkelt an seinen Effekten herum, bedient zwei unterschiedliche Pedale mehr oder weniger gleichzeitig und wuchtet uns die derbsten Bässe um die Ohren - wenn es sein muss! Genau so beeindruckend sind die Passagen, in denen er Melodiefolgen in recht hohen Tonlagen seinem Bass entschwingen lässt. Er versteht es genau so wie Mike in allen Lagen perfekt zu spielen.
Dave hinter seinem Schlagzeug ist die meiste Zeit mit geschlossen Augen unterwegs und bearbeitet seine Toms und Becken und Felle mit ebenso viel Wucht wir die Bässe von Brian. So schallt uns in den dynamischen und lauten Passagen eine dicke fette Wand entgegen, die schon fast von slbst die Haare zum Wehen bringt. Doch ohnehin wirbelt so das ein oder andere Haupthaar durch die Luft im Gebäude 9, was aufgrund der gebotenen Qualität der Russian Circles auch nicht weiter verwunderlich ist! Die Pausen zwischen den Songs sind zwar immer recht lang andauernd, da Mike bei wirklich jedem Song seine Gitarre umgestimmt hat, doch diese wurden immer unterlegt Loops aus wahlweise Bass- oder Gitarrenverstärker, bis dann ganz plötzlich Dave mit seinen Sticks den Takt kurz und knackig einläutet.
Nach rund 70 Minuten bestem Post-Metal und -Rock beendeten die Russian Circles ihr Konzert. Doch nur für kurze Zeit, denn das Publikum entlies die Jungs nicht so einfach in den eigentlich wohl verdienten Feierabend. Aber die Russian Circles kamen allem Anschein nach gerne noch mal zurück auf die Bühne des Gebäude 9, um uns noch mit einem feinen Zugabenblock zu beglücken!
Während des gesamten Sets spielten sie vorwiegend Songs aus (wir glauben) allen drei Alben, es gab aber auch 1 oder zwei neue Songs zu erleben. Darunter dürfte auch der erste Song der Zugabe fallen. Mittendrin passierte Dave ein Malheur, indem plötzlich seine Standtom hinter dem Schlagzeug landete. Er muss sie irgendwie dorthin geschlagen haben, was den Song dann abrupt unterbrach. Und wir sagen fast "Zum Glück!", denn die Perfektion die bisher vorherrschte - um es noch ein mal zu betonen - war fast schon angsteinflössend. "Die Jungs müssen sich doch auch mal verspielen?!" dachten wir uns, doch zuvor kam uns dergleichen nichts zu Gehör. Dieser kleine Fehler nun fast am Ende des Gigs hinterließ dann zum Glück doch noch den Eindruck, dort auf der Bühne Menschen erlebt zu haben, die auch mal Fehler(chen) machen, und auch zulassen. Nach kurzer Konfusion, an welcher Stelle man den Song denn nun fortsetzen möchte, waren die Drei auch wieder auf der "4", die wieder kurz und knackig von Dave vorgegeben wurde, mitten im Geschehen! Da ist er wieder, der Perfektionismus!
Den Rest des Songs spielten die Jungs sauber durch und gingen dann gegen viertel vor 12 von der Bühnen in den Backstage! Und wir, wieder einmal völlig umgehauen und beeindruckt, trunken von der Musik der Russian Circles in die Kölner Nacht in Richtung Heimat!
Die Russian Circles sind anstandslos zu empfehlen! Das triffts in aller Kürze! Ihre Live-Shows strotzen nur so vor Dynamik, Wucht und Präzision und sollten jedem geneigten Zuhörer und Zuschauer auf voller Linie zusagen! Sie sind derzeit seit einer Woche "frisch" auf Tour und haben noch eine ganze Reihe weiterer Shows auf ihrem Tourplan in ganz Europa zu verzeichnen, die noch bis Mitte Juli gehen wird. Dann steht der vorerste letzte Gig vor einer kurzen Pause im Dortmunder FZW an, wo sie zusammen mit Boris und Saade spielen werden.
www.myspace.com/russiancircles
russiancirclesband.com
Ein herzliches Dankeschön an ONKELPROMOTION für die freundliche Unterstützung!
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Text und Fotos: Jacques Moch, Bildbearbeitung: Marcel Moch
Bericht und Photos: Jacques Moch, Bildbearbeitung: Marcel Moch
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