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Tina Dico - Savoy Theater, Düsseldorf - 23.03.2011

Do. 24 März 2011

Tina Dico

Dem Parkplatzgott sei dank erreichte ich mit nur geringster Verspätung das Savoy Theater in Düsseldorf, um einen für unsere Seiten besonderen, nahezu ungewöhnlichen Konzert beizuwohnen und euch davon zu berichten. Gute Musik kennt eben keine Grenzen und wenn die dänische Sängerin, Gitarristin und Komponistin Tina Dico ruft, folgt der Musikfreund lieber. In Dänemark ist sie längst ein Superstar und langsam stellt sich der breite Erfolg auch in Deutschland, gar in ganz Europa ein. Die Zeit als Geheimtipp scheint mit diesem Abend zumindest in Düsseldorf vorbei zu sein.

So betritt man den nahezu lückenlos gefüllten alten Kinosaal, der mittlerweile zu einem Konzert und Theatersaal umgebaut worden ist. Der Raum ist schon abgedunkelt und der Support in Form des Isländers Helgi Jonsson steht mit seiner Gitarre auf der Bühne und unterhält mit leisen Tönen die Zuschauer. Also schnell und möglichst lautlos - man könnte eine Stecknadel fallen hören - den eigenen Platz aufsuchen und in den angenehmen gepolsterten Kinosessel Platz nehmen. Der dürre Isländer steht alleine mit einer Gitarre vor dem Mikro, dabei klingt seine Stimme genauso zerbrechlich wie er optisch wirkt. Er hört sich genau so an, wie man sich einen Isländer auch vorstellt. Seine sehr eigene Stimmfarbe tut den Liedern gut und vor allem in diesem gemütlichen Ambiente passen seine verträumten Songs sehr gut in den Abend. Ungewöhnlich gut schlägt der Musiker sich auch in hohen Stimmlagen und sein solides Gitarrenspiel wirkt nicht zu aufdringlich, so dass der Song im Vordergrund bleibt und man sich als Zuhörer einfach fallen lassen kann. Seine etwas niedliche Ausstrahlung wird von seinen in erstaunlich gutem deutsch vorgetragenen Ansagen unterstützt. Er ist bemüht dem Publikum viel zu erzählen und fragt sich und auch die Konzertbesucher häufiger, ob das was er sagt, so eigentlich verständliches Deutsch ist. Doch, hast du gut gemacht Helgi! Ein wirklich sehr schöner Einstieg.

http://www.helgijonsson.com/

Viel umgebaut werden musste nicht, daher ging es nach einer kurzen Pause weiter mit dem Hauptact des Abends. Eine Erscheinung wie ein Superstar hat Tina Dico mittlerweile. Die Haare seitlich frisiert, ein extravaganter Dress - wer sich zuvor auf YouTube mal ein Bild von der Dänin gemacht hat mag überrascht sein, so sah sie bei einer DVD Produktion noch recht brav und durchschnittlich aus. Um sich herum hat Tina vier Mitmusiker gescharrt. Freudig überrascht ist der Saal, den Support Helgi Jonsson direkt wieder auf der Bühne zu sehen. So ist er für den Background Gesang, Keyboards und teilweise auch Posaunenklänge verantwortlich. An der Gitarre ist der langjährige musikalische Begleiter Tinas zu sehen und dazu noch die Rhythmusgruppe bestehend aus einem ebenfalls isländischen Schlagzeuger und einem Bassisten.

Tina Dico Auf dem Programm steht ein Querschnitt aus Tina Dicos bisheriger Schaffensperiode. Ende 2010 veröffentlichte sie das Doppelalbum „Welcome Back Colour" mit größtenteils Neuinterpretationen ihrer Songs und ein paar ganz frischen Songs. Wie auch Helgi  versteht die Sängerin es sympathische Ansagen zu machen und ein wenig zu ihrer Musik, ihren Mitmusikern und den Songs zu erzählen. Allerdings beschränken sich ihre Versuche Deutsch einzuflechten auf wenige Worte. Das Publikum stört es nicht, es geht schließlich um die Musik. Der Klang im Savoy Theater ist von Beginn an perfekt, es ist nicht zu laut, aber die Instrumente haben genügend Druck. Einzig eine rauschende elektrische Gitarre der Frontfrau stört hier und da den Klangeindruck und scheint auch Tina Dico selber zu irritieren. Allen Musikern sieht man an, dass sie diese Musik aus Überzeugung spielen und nicht etwa, weil sie vielleicht angeheuert wurden. Dadurch entsteht eine sehr positive Spannung auf der Bühne, die sich prompt auch auf das Publikum überträgt. Allen voran ist Tina die, die mit fortschreitender Stunde über die Bühne tanzt und sich in der Musik fallen lässt. Zum letzten Drittel hin verlassen alle Musiker bis auf die blonde Sängerin die Bühne. Ein paar Songs darf man der Musikerin zusehen, wie sie ganz intim ein paar Stücke nur mit Gitarre und Stimme darbietet. Sehr schön auch, wie sie immer wieder mit der Akustik im Savoy Theater arbeitet, das Mikro manchmal bei leisen Passagen ganz allein stehen lässt und einfach so in die Zuschauer hinein singt. Aufgrund des wirklich guten Klanges im Theater entsteht so ein sehr ehrliches und direktes Klangbild. Bevor wieder alle Begleitmusiker die Bühne in Beschlag nehmen kommt erst nur Helgi Jonsson zum Vorschein. Mit ihm hat Tina ein Duett namens „Waltz" geschrieben, welches sie natürlich bei der Gelegenheit auch auf die Bühne bringen. Neben den Titelstücken ihrer Alben wie „In the Red" oder „Count to Ten" spielt Tina Dico einen bunten Mix aus verschiedenen Stilen und Dynamiken: Mal schnell und laut oder auch ruhig und ganz zurückgenommen. Wenn sie von Herzschmerz, neuen Erfahrungen in neuen Wohnorten („The City, London" oder „Copenhagen") oder einfach ihren Lebensgefühlen singt nimmt man ihr das zu jeder Sekunde ab. Das ist das, was sie von allgemein „gebräuchlichen" Superstars aus dem TV wohl auch unterscheidet. Es ist nichts aufgesetzt, es ist keine Marketingstrategie sondern einfach ehrliche Musik, die glücklicherweise von einer phantastischen Songwriterin komponiert wurde.

Nach knapp über einer Stunde konnte das Publikum die Dänin natürlich noch nicht in den eigentlich wohl verdienten Feierabend entlassen und forderte noch eine Zugabe. Und die bekamen wir natürlich auch. Erstmal war Tina noch mal kurz ganz alleine auf der Bühne und singt von einem One Night Stand. „Natürlich ist nicht alles real was man in Songtexten hört" ist sie bemüht zu erklären und so folgt ein amüsantes kleines Stück mit einem Augenzwinkern, was, auch wenn es fiktiv bleibt, nicht so weit hergeholt ist. Sehr schön auch das letzte Stück mit der gesamten Band. Es wird auf elektrische Verstärkung so weit es geht verzichtet und nur mit Mikros (wenn überhaupt) und akustischen Instrumenten gespielt, bei dem alle Musiker dicht beisammen zeigen, wie viel Spaß ihnen der Auftritt gemacht hat. Uns hats auch gefallen: Das Publikum dankt den Musikern mit Standing Ovations.

Noch auf der Bühne macht Tina deutlich, dass man nach der Show natürlich zum Publikum kommen wird um CDs zu unterschreiben oder einfach nur ein paar Worte zu wechseln. Ein wirklich gelungener Konzertabend einer extrem authentischen Künstlerin geht zu Ende. Sie hat es durchaus verdient als Superstar gehandelt zu werden. Dennoch ist es schön, sie noch in einem recht kleinen Rahmen erleben zu können. Aber man muss sicher auch keine Angst haben, dass sie ihre Authentizität verliert wenn sie bekannter wird, denn das ist das, was sie überhaupt so weit gebracht hat.

http://tinadico.com/

 

Im Savoy Theater sind generell keine Kameras zugelassen, daher können wir euch keine Konzertfotos bieten. Verständlich, denn in diesem Rahmen wäre ein herumhuschender Fotograf sicher sehr störend gewesen.



 

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