Dem Parkplatzgott sei dank erreichte ich mit nur geringster Verspätung das Savoy Theater in Düsseldorf, um einen für unsere Seiten besonderen, nahezu ungewöhnlichen Konzert beizuwohnen und euch davon zu berichten. Gute Musik kennt eben keine Grenzen und wenn die dänische Sängerin, Gitarristin und Komponistin Tina Dico ruft, folgt der Musikfreund lieber. In Dänemark ist sie längst ein Superstar und langsam stellt sich der breite Erfolg auch in Deutschland, gar in ganz Europa ein. Die Zeit als Geheimtipp scheint mit diesem Abend zumindest in Düsseldorf vorbei zu sein.
So betritt man den nahezu lückenlos gefüllten alten Kinosaal, der mittlerweile zu einem Konzert und Theatersaal umgebaut worden ist. Der Raum ist schon abgedunkelt und der Support in Form des Isländers Helgi Jonsson steht mit seiner Gitarre auf der Bühne und unterhält mit leisen Tönen die Zuschauer. Also schnell und möglichst lautlos - man könnte eine Stecknadel fallen hören - den eigenen Platz aufsuchen und in den angenehmen gepolsterten Kinosessel Platz nehmen. Der dürre Isländer steht alleine mit einer Gitarre vor dem Mikro, dabei klingt seine Stimme genauso zerbrechlich wie er optisch wirkt. Er hört sich genau so an, wie man sich einen Isländer auch vorstellt. Seine sehr eigene Stimmfarbe tut den Liedern gut und vor allem in diesem gemütlichen Ambiente passen seine verträumten Songs sehr gut in den Abend. Ungewöhnlich gut schlägt der Musiker sich auch in hohen Stimmlagen und sein solides Gitarrenspiel wirkt nicht zu aufdringlich, so dass der Song im Vordergrund bleibt und man sich als Zuhörer einfach fallen lassen kann. Seine etwas niedliche Ausstrahlung wird von seinen in erstaunlich gutem deutsch vorgetragenen Ansagen unterstützt. Er ist bemüht dem Publikum viel zu erzählen und fragt sich und auch die Konzertbesucher häufiger, ob das was er sagt, so eigentlich verständliches Deutsch ist. Doch, hast du gut gemacht Helgi! Ein wirklich sehr schöner Einstieg.
Viel umgebaut werden musste nicht, daher ging es nach einer kurzen Pause weiter mit dem Hauptact des Abends. Eine Erscheinung wie ein Superstar hat Tina Dico mittlerweile. Die Haare seitlich frisiert, ein extravaganter Dress - wer sich zuvor auf YouTube mal ein Bild von der Dänin gemacht hat mag überrascht sein, so sah sie bei einer DVD Produktion noch recht brav und durchschnittlich aus. Um sich herum hat Tina vier Mitmusiker gescharrt. Freudig überrascht ist der Saal, den Support Helgi Jonsson direkt wieder auf der Bühne zu sehen. So ist er für den Background Gesang, Keyboards und teilweise auch Posaunenklänge verantwortlich. An der Gitarre ist der langjährige musikalische Begleiter Tinas zu sehen und dazu noch die Rhythmusgruppe bestehend aus einem ebenfalls isländischen Schlagzeuger und einem Bassisten.
Auf dem
Programm steht ein Querschnitt aus Tina Dicos bisheriger Schaffensperiode. Ende
2010 veröffentlichte sie das Doppelalbum „Welcome Back Colour" mit größtenteils
Neuinterpretationen ihrer Songs und ein paar ganz frischen Songs. Wie auch
Helgi versteht die Sängerin es
sympathische Ansagen zu machen und ein wenig zu ihrer Musik, ihren Mitmusikern
und den Songs zu erzählen. Allerdings beschränken sich ihre Versuche Deutsch
einzuflechten auf wenige Worte. Das Publikum stört es nicht, es geht
schließlich um die Musik. Der Klang im Savoy Theater ist von Beginn an perfekt,
es ist nicht zu laut, aber die Instrumente haben genügend Druck. Einzig eine
rauschende elektrische Gitarre der Frontfrau stört hier und da den
Klangeindruck und scheint auch Tina Dico selber zu irritieren. Allen Musikern
sieht man an, dass sie diese Musik aus Überzeugung spielen und nicht etwa, weil
sie vielleicht angeheuert wurden. Dadurch entsteht eine sehr positive Spannung
auf der Bühne, die sich prompt auch auf das Publikum überträgt. Allen voran ist
Tina die, die mit fortschreitender Stunde über die Bühne tanzt und sich in der
Musik fallen lässt. Zum letzten Drittel hin verlassen alle Musiker bis auf die
blonde Sängerin die Bühne. Ein paar Songs darf man der Musikerin zusehen, wie
sie ganz intim ein paar Stücke nur mit Gitarre und Stimme darbietet. Sehr schön
auch, wie sie immer wieder mit der Akustik im Savoy Theater arbeitet, das Mikro
manchmal bei leisen Passagen ganz allein stehen lässt und einfach so in die
Zuschauer hinein singt. Aufgrund des wirklich guten Klanges im Theater entsteht
so ein sehr ehrliches und direktes Klangbild. Bevor wieder alle Begleitmusiker
die Bühne in Beschlag nehmen kommt erst nur Helgi Jonsson zum Vorschein. Mit
ihm hat Tina ein Duett namens „Waltz" geschrieben, welches sie natürlich bei
der Gelegenheit auch auf die Bühne bringen. Neben den Titelstücken ihrer Alben
wie „In the Red" oder „Count to Ten" spielt Tina Dico einen bunten Mix aus
verschiedenen Stilen und Dynamiken: Mal schnell und laut oder auch ruhig und
ganz zurückgenommen. Wenn sie von Herzschmerz, neuen Erfahrungen in neuen
Wohnorten („The City, London" oder „Copenhagen") oder einfach ihren
Lebensgefühlen singt nimmt man ihr das zu jeder Sekunde ab. Das ist das, was
sie von allgemein „gebräuchlichen" Superstars aus dem TV wohl auch
unterscheidet. Es ist nichts aufgesetzt, es ist keine Marketingstrategie
sondern einfach ehrliche Musik, die glücklicherweise von einer phantastischen
Songwriterin komponiert wurde.
Nach knapp über einer Stunde konnte das Publikum die Dänin natürlich noch nicht in den eigentlich wohl verdienten Feierabend entlassen und forderte noch eine Zugabe. Und die bekamen wir natürlich auch. Erstmal war Tina noch mal kurz ganz alleine auf der Bühne und singt von einem One Night Stand. „Natürlich ist nicht alles real was man in Songtexten hört" ist sie bemüht zu erklären und so folgt ein amüsantes kleines Stück mit einem Augenzwinkern, was, auch wenn es fiktiv bleibt, nicht so weit hergeholt ist. Sehr schön auch das letzte Stück mit der gesamten Band. Es wird auf elektrische Verstärkung so weit es geht verzichtet und nur mit Mikros (wenn überhaupt) und akustischen Instrumenten gespielt, bei dem alle Musiker dicht beisammen zeigen, wie viel Spaß ihnen der Auftritt gemacht hat. Uns hats auch gefallen: Das Publikum dankt den Musikern mit Standing Ovations.
Noch auf der Bühne macht Tina deutlich, dass man nach der Show natürlich zum Publikum kommen wird um CDs zu unterschreiben oder einfach nur ein paar Worte zu wechseln. Ein wirklich gelungener Konzertabend einer extrem authentischen Künstlerin geht zu Ende. Sie hat es durchaus verdient als Superstar gehandelt zu werden. Dennoch ist es schön, sie noch in einem recht kleinen Rahmen erleben zu können. Aber man muss sicher auch keine Angst haben, dass sie ihre Authentizität verliert wenn sie bekannter wird, denn das ist das, was sie überhaupt so weit gebracht hat.
Im Savoy Theater sind generell keine Kameras zugelassen, daher können wir euch keine Konzertfotos bieten. Verständlich, denn in diesem Rahmen wäre ein herumhuschender Fotograf sicher sehr störend gewesen.
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weiter lesen...Text und Photos: Jacques Moch, Bildbearbeitung: Marcel Moch
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Transfer, Crocodiles und White Lies am 21.03.2011 in der Live Music Hall in Köln
Teil 1: Transfer | Teil 3: White Lies
Crocodiles, ebenfalls aus San Diego, duften als Zweite aufspielen. Die zwei Girls und zwei Boys bringen den Beat und Surf mit einer Prise Beatles auf die Bühne und sehen dabei aus, als kämen sie direkt vom...>>> weiter lesen...
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