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Tortoise - Bahnhof Langendreer - 09.12.2009

Die Band Tortoise aus Chicago, welche am 8.12. im Bochumer Bahnhof Langendreer ein Konzert gegeben hat, dürfte wohl den meisten ein Begriff sein. Für die Anderen eine kurze Erläuterung:

Tortoise in Bochum Tortoise prägen seit Mitte der 90'er Jahre maßgeblich das Genre Post-Rock und sind bekannt für ihre meist instrumentalen Songs, welche unterschiedliche Stilrichtungen wie Jazz, Krautrock, Dub, Minimalismus und gar exotische Rhythmik miteinander verbinden. Die Livequalitäten von Tortoise sind absolut überragend, das Niveau ist kontinuierlich hoch und kann von kaum einer anderen Band in dieser Form erreicht werden. Ich hatte Tortoise bereits vor einigen Monaten in der Kölner Kulturkirche gesehen und war absolut beeindruckt von dem virtuosen Zusammenspiel und dem, was die fünf Musiker da auf der Bühne an den Tag legen! So waren meine Erwartungen an diesen Abend zugegebenermaßen entsprechend hoch, sie sollten aber mehr als ausreichend erfüllt werden!

Der Bahnhof Langendreer ist gut per Zuganbindung zu erreichen, und so war ich schon recht zeitig am Veranstaltungsort in Bochum angekommen. Die Location selbst scheint speziell auf Konzerte ausgelegt zu sein: ein großer Saal in dunklem Rot, dazu eine Empore, auf der man sich gut niederlassen und von oben aus das Konzert erleben kann. Die Halle füllte sich nur langsam und ich befürchtete schon, dass es an diesem Tage recht leer bleiben würde. Was allerdings einer Band wie Tortoise in keinster Weise gerecht werden würde! Und die Befürchtungen waren unberechtigt, als Tortoise nämlich gegen viertel vor 9 die Bühne betreten war der Saal doch recht gut gefüllt.

Tortoise, Bahnhof Langendreer

Der erste Teil des Konzertes von Tortoise beinhaltete überwiegend Titel aus dem aktuellen Album Beacons Of Anchestorships, welches wir Euch an dieser Stelle wärmstens ans Herz legen wollen! Los ging es, indem Jonh McEntire und Dan Bitney sich zunächst an die - mittlerweile bei Live-Auftritten von Tortoise fest integrierten - zwei Schlagzeuge setzen, John Herndon spielt das elektronische Marimbaphon, Jeff Parker zupft seine Jazz-Gitarre und Doug McCombs steht an der Fender Jazzmaster, welche aber irgendwie bei ihm immer mehr nach Bass als nach Gitarre klingt. Doch schon zum zweiten Song ging das für Tortoise übliche Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel los. John Herndon wechselte an seinen Moog-Synthesizer, Dan Bitney bedient nun erst Mal die mittig installierten Keyboards und Doug spielt nun seinen Fender Bass. Dies setzt sich über das gesamte Konzert so fort, dass die 5 Musiker munter von einem Instrument zum nächsten wechseln, und dies macht den besonderen Reiz eines Tortoise-Konzertes auch aus! Und an jedem der Instrumente machen die durch und durch professionellen Musiker eine exzellente Figur!

Tortoise, Bahnhof Langendreer Tortoise, Bahnhof Langendreer

Besonders beeindruckend finde ich, wie auch schon in Köln erlebt, wie sehr Jeff Parker in sein Gitarrenspiel vertieft ist. Dies sieht man ihm an seinem sich ständig wechselnden Gesichtsausdruck an, der die Emotionalität seine Spiels an der Gitarre damit noch mal deutlich unterstreicht! Doug McCombs ist meist vertieft in sein einzigartiges Bass- und Gitarrenspiel und ebenfalls eine Klasse für sich! John Herndon wirkt beim Spiel des Vibraphons oder der Synthies ebenfalls recht in sich gekehrt, was sich aber schlagartig ändert, sobald er sich hinters Schlagzeug setzt. Dann gibt es für ihn kein Halten mehr und er spielt wie entfesselt wunderbar vertrackte polyrhytmische Beats, was ansteckend auf das Publikum wirkt. Die Besucher werden hier und da zum Mitmachen bewegt, was bei der komplexen Musik von Tortoise gar nicht so einfach sein kann!

Tortoise, Bahnhof LangendreerTortoise, Bahnhof LangendreerTortoise, Bahnhof Langendreer

Die Ausstrahlung von John McEntire hingegen ist schon fast hypnotisch! Ich kann es schwer beschreiben, er strahlt zum Einen etwas Erhabenes, ja fast schon Arrogantes aus, auf der anderen Seite sieht man ihn aber auch mal freudig, mal ausufernd und emotional auf der Bühne hinter seinem Schlagzeug oder den Keyboards. Sein Blick geht durch und durch und vermittelt eine gewisse Ehrfurcht vor ihm. Dan Bitney hingegen ist an diesem Abend der Qurligste unter den 5 Männern, immer munter wechselt er vom Bass zum Schlagzeug oder Vibraphon, stets mit einem Grinsen im Gesicht! Äußerst sympathisch!

Tortoise, Bahnhof Langendreer Tortoise, Bahnhof Langendreer

Im Laufe des Sets von Tortoise werden dann auch ältere Stücke (um nicht zu sagen Meisterwerke) gespielt, die einen breiten Querschnitt des Repertoires der Band aufzeigen. So tauchen immer wieder Calypso- und lateinamerikanische Rhythmen auf, das Keyboard mit Akordeon-Sound versetzt einen fast in ein Pariser Straßencafé und die Western-Anleihen wiederum anderer Stücke sofort in eine staubtrockene Wüste in Arizona. Ein Konzert von Tortoise bedeutet jedes Mal aufs Neue eine Reise durch ihren facettenreichen Kosmos und die Alben, die sie kontinuierlich veröffentlichen und Tortoise zu einer festen Größe gemacht haben! Ein Mal mehr ein herausragendes und absolut sehens- und hörenwertes Konzert einer zeitlosen Band aus Chicago!

Setlist:

Tortoise Setlist, Bochum Zugegebenermaßen kann ich die recht kryptische Setlist von Tortoise nicht ganz entziffern. Und da mich der Sound der Band dermaßen vereinnahmt hat kann ich mich selbst auch nicht an jeden der Songs erinnern. Daher ist die nachfolgende Setlist auch unter Vorbehalt zu verstehen:

1. Gigantes
2. Charteroak Foundation
3. Dot-Eyes
4. Glass Museum
5. Eros
6. The Suspension Bridge At Igazú Falls
7. Monica
8. In Sarah, Mencken, Christ and Beethoven There Were Women And Men
9. Minors
10. Prepare your coffin
11. High Class Slim Came Floatin' In
12. Crest
13. OMN
14. Salt The Skies
15. I Set My Face To The Hillside
16. Seneca
17. RIV

Vielleicht hat der ein oder andere ja noch einen Hinweis, um die Setlist zu korrigiern und zu vervollständigen. 

 

 

 

 


Tortoise

Doug McCombs - Bass, Gitarre, Vibraphon, etc.
John Herndon - Moog, Drums, Vibraphon, etc.
John McEntire - Drums, Keyboards, Vibraphon, etc.
Dan Bitney - Bass, Gitarre, Drums, Vibraphon, Keyboard, etc.
Jeff Parker - Gitarre, Bass, Synths  , etc.


 


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