VÖ: 18.02.2011
Label: Haute Areal
Wer sind Blitzkids? Um das zu beantworten, müssen wir zunächst einen Blick in das New York Ende der
Siebziger Jahre werfen: Erinnert ihr euch an die Zeit, als sich die Menschen in einen Außerirdischen verliebten?
Sein Name war Klaus Nomi. Ein schwuler, deutscher Opernsänger, der, gekleidet wie eine Figur aus dem Zauberer von
Oz, die Popwelt mit avantgardistischer Strangeness verzauberte. Man staunte, als käme er von einem anderen Stern -
vom Planeten Nomi. Einer, der zur Erde gekommen war, „to entertain the children of the night", um die
Kinder der Nacht zu unterhalten.
„Nomi", so nennt sich auch die Sängerin von Blitzkids.
Eine Hommage? Ein Ansatzpunkt. Eine Inspiration. Ihr Gesicht ist ebenso weiß geschminkt, ihre Haltung gerade, ihre
Miene stolz. Sie könnte seine Schwester sein. Achtet mal auf die Augen - ziemlich ausserirdisch! Wie wäre es mit
einem kleinen Lächeln? Nö. Das überlassen wir den Lady Dingsbums. Denn bei Nomi und den Blitzkids
geht's nicht ums Posen, hier geht's um Haltung.
Und wenn Nomi vom gleichen Stern gefallen ist
wie Klaus dann sind die Blitzkids das kulturelle Auffangbecken. Das Zuhause der Außerirdischen! Wo
anderswo die bunten Fetzen flattern, gebleichtes Haar und Zähne präsentiert werden, schwören die Blitzkids
dem gefälligen Krimskrams ab. Hier wird sich nicht verkleidet. Im Gegenteil, es geht darum, durch die
Masken das Wesentliche sichtbar zu machen. Häh? Anderes Beispiel: Kennt ihr den Modedesigner Gareth Pugh? Der mit
den aufblasbaren Latexärmeln? Ein weiterer Außerirdischer vom Planeten Nomi. Seine Kreationen bestechen durch klare
Kontraste und den Gedanken, dass seine Mode kein Schmuckwerk, sondern Performance ist. Genauso wie es bei der Musik
von Blitzkids nicht um Style geht, sondern um Stil. Beide benutzen sowohl modisch als auch
musikalisch starke Kontraste. Schwarz und Weiß. Wie ein Beat, der schlägt und die Musik mit Stromstößen vorantreibt.
Es geht nicht um Design. Es geht nicht um Musik. Es geht um den Kampf zwischen Licht und Schatten. Und das ist das
Wesentliche.
Denn die Idee Popmusik, Performance und Haltung zu verschmelzen ist immer noch da und hat
die Achtziger überlebt. Kraftwerk, Spandau Ballett, Steve Strange, Boy George, Vivienne Westwood: das ist die erste
Generation der Blitzkids. Ein Haufen damals junger Menschen, die in einem Londoner Club namens
Blitz ihre musikalische Heimat fanden. Einige sagten auch „New Romantic" dazu, eine Bewegung, die sich als eine
Reaktion auf den Punk verstand. Doch wenn es dem Punk darum ging Formen aufzulösen, ging es den „New Romantics"
darum Formen, neu zu belegen.
Blitzkids 2011 nehmen den Ansatz auf, ohne zu verkrampfen.
„Blinded" heißt der erste Blitzkids-Song. Und vielleicht ist es Absicht, dass es
in diesem Song nicht ums Sehen, sondern ums Blindsein geht. Vielleicht müssen wir das Sehen und Hören erst wieder
lernen. Oder es ist mal wieder die Zeit gekommen, sich in Außerirdische zu verlieben. Und endlich mal wieder richtig
gut zu tanzen.
Klaus Nomi sagte mal: „Es ist doch schön, ein bisschen magisch zu sein!" - und
wer weiß, vielleicht hätte er in den Blitzkids ein paar Verwandte entdeckt, die wie er von einem
anderen Planeten gekommen sind , um die neue Generation der Kinder der Nacht zu unterhalten.
Das äußerst
sehenswerte Video zu "Blinded" könnt ihr euch unter diesem Link anschauen.
Quelle: Pressetext