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VÖ: 18.06.2010
Label:
Warner Music

SIE sieht aus wie eine völlig durchgeknallte Debbie Harry auf einemDestroyer-Trip, ER hat ein Bärtchen und Strubbelhaare und scheint seitWochen nicht geschlafen zu haben. Während ER meist hinter seinerminimalistischen Workstation kauert und irrwitzig krachendeSynth-Kanonaden aus den Boxern schießt, schleudert SIE ihren zierlichenKörper gegen alles, was auf der Bühne Ecken und Kanten hat. Blut undblaue Flecken gehören somit zum Standard-Repertoire. Wir reden vonCaroline Martial und Orion Bouvier, kurz KAP BAMBINO, die sich miteinem Wort beschreiben lassen: Explosion. Auf dem diesjährigenSXSW-Festival in Austin entfachte das Duo aus Bordeux ein wahresBühnen-Inferno, das niemanden kalt ließ und die Intro dazu brachte,sich aus Hunderten von Bands KAP BAMBINO herauszupicken, um sie ihrenLesern als heißen Tipp vom Festival zu präsentieren. Und heißer als beiKAP BAMBINO geht es wirklich nicht mehr. 


KAP BAMBINO sind ein stampfender Punkrock-Abkömmling, der das analogeZeitalter im Turboformat hinter sich gelassen hat. Es gibt keineGitarren und kein Schlagwerk, kein analoges Instrument befleckt denschneidend verzerrten Sound. Und doch ist ihre Musik das Ergebnis einerEvolution, deren Entwicklungsstufen von Bands wie Suicide und Nirvanaausgehen. KAP BAMBINO nehmen ihren Spirit und jagen ihn durch ein Netzvon Samplern, Synthesizern und Software-Modulen, bis er sich in seineEinzelteile zerlegt und zu neuer Kraft gefunden hat.

Live auf der Bühne wird das Manifest KAP BAMBINOs kristallklar: EineVereinigung von totaler Befreiung im Namen der Liebe, einHinter-sich-lassen all dessen, was Grenzen zieht. „Klingt vielleichtetwas cheesy", grinst Caroline, „aber alles, was wir tun, machen wir,als wär's das letzte Mal. Jede Show ist wie die allerletzte, und beijedem Song, den wir aufnehmen, ist es dasselbe. Wenn wir ein Flugzeugbesteigen, gehen wir davon aus, dass es abstürzt. Das macht unsereMusik zu dem, was sie ist."

Als das Pärchen sich 2001 auf einer Party das erste Mal begegnete, kamsofort eine Verbindung zustande, die von Caroline als „elektrisch"bezeichnet wird. Beide waren bis dahin einen ähnlichen Weg gegangen:Schlechte Hardcore-Punkbands, DIY-Laptop-Philosophien und Experimenteim Reich der Noisetronica. Und nachdem sie die fast unheimlichenGemeinsamkeiten festgestellt hatten, wurde ihnen klar, dass es ihreBestimmung ist, ihre Kräfte zu vereinen und Sachen zum Laufen zubringen. Erstens ihr Label Wwilko, das seit acht Jahren einerunglaublichen Ansammlung versprengter, freigeistiger Elektro-Musik einZuhause gibt, und zweitens KAP BAMBINO.

Es brauchte ein bißchen Überzeugungsarbeit, aber schließlichüberzeugte Caroline Orion davon, dass es gut wäre, ihre Schreie auf diedigitale Schwefelsäure zu setzen, die er aus seinem Laptop absonderte.Es folgten drei Alben, mehrere EPs und Singles sowie zahllose Gigs, diedie elektronischen Noise-Pop-Lovepunk-Ursuppe auf die Bühne brachten.Von der frühen Kollaboration Love (2002), in der Carolines tödlicheSchreie von krispelnder Verzerrung und Orions metallischer Intensitätgewürgt werden, bis zu Zero Life, Night Vision (2006), die sie mittenin den Garten der Noise-Rave-Kultur setzte, welche in der CompilationDigital Penetration ihren Höhepunkt fand. Das führte KAP BAMBINO durchganz Europa, in die USA und nach Japan, wo sie ihre heute legendäre,Aufruhr schaffende Bühnenshow kultivierten, bis Gazetten wie NME, Dazedand Confused, Another Magazine und Dummy nicht mehr drumherum kamen,ihren Namen in großen Lettern zu drucken.

Wo stehen KAP BAMBINO jetzt?

Blacklist dürfte der mutigste und konsequenteste Schritt sein, den KAPBAMBINO bisher getan haben. Vielleicht der schärfste Haken, den siebisher geschlagen haben, indem sie in Richtung Pop, oder zumindest soähnlich, marschieren. Eigentlich nichts Neues, wie Caroline betont:„Endlich KAP BAMBINO wie sie wirklich sind". Blacklist besteht auszwölf Tracks mit aus den Fugen geratenen, Wahnsinn verursachendenMelodien und pumpenden Rhythmen, die den Trademark-Sound KAP BAMBINOsin ein Setting setzen, das sich auch in einem Stadion oder auf einemFestival- Headlining gut machen würde. Carolines Vocals gehören auf dieHauptbühne und klangen nie vorher so klar und trotzig zugleich. WährendOrions Produktions-Alchemie wie das Werk eines Orchesters aus Androidenklingt, das den Soundtrack zu einem finalen Krieg spielt, der zu einemArmageddon führt. Und wenn man Caroline nach den Inhalten fragt, sagtsie Dinge wie: „Bat Cave sagt, dass jetzt gerade eine gute Zeit fürFledermaushöhlen ist. Ein Aufruf an alle Fledermäuse da draußen!" UndLezard: „Ich hab einen Fernsehfilm über Echsen gesehen, und ich dachte,ja, ich würde mich auch gern mal häuten." Ähm, okay, das kann mannachvollziehen, wenn man sie live sieht: „Es steckt einfach in mir.Wenn ich auf die Bühne gehe, ist es, als wenn ein wildes Tier aus mirhervorbricht. Und wenn die Leute das sehen, dann ist das wie eineBefreiung für alle", sagt Caroline. Und sagt damit alles, was manwissen muss.

Die erste Single bei uns ist Dead Lazers, die mit herrlich sinnloserGewalt auf die Floors knallt und eine Breitband-Kanonade aus Energieverschießt. Es ist fast ein Wunder, dass sich aus derElectropunk-Attacke immer wieder Melodien herausschälen, aber sie sindda, klar und erkennbar transportiert von einer elektronischenDampfhammerwalze.

Noch in dieser Saison wird Blacklist in Deutschland erscheinen, und am26. September werden KAP BAMBINOauf dem Hamburger Reeperbahn Festivaldie Prinzenbar auseinandernehmen.

Tracklist:

01. Black List
02. 11:38
03. Dead Lazers
04. Lezard
05. Red Sign
06. Rezozero
07. Batcaves
08. Bluescreen
09. Human Piles
10. Plague
11. Blond Roses
12. Acid Eyes

Homepage: www.wwilko.com
Myspace:
www.myspace.com/kapbambino

Hits: 28