VÖ: 21.01.2011
Label: Audiolith Records
Mit zunehmendem Alter werden die Dinge, die man zum ersten Mal tut immerseltener. Schon allein deshalb musste die Idee "Singleveröffentlichung aus einem Roman, und dann auch gleich ein Video dazu" unbedingt umgesetzt werden.
Weitere gute Gründe:
- sowas hat unseres Wissens noch niemand vorher gemacht
- es macht Spaß
- Frage: kann man Bücher singen? Kann man zu Literatur tanzen?
Das Ergebnis nannte sich Einen Abend Wahnsinn (gegen tausend Jahre Stumpfsinn) und wurde bei seiner Onlineveröffentlichung im Herbst 2010 so begeistert aufgenommen, dass weitere Tracks dieser Art entstanden, die nun als 10"/Download bei Audiolith erscheinen.
Das Buch:
Als sein Vater stirbt, nimmt der Taugenichts Meise das unerwartete Erbe und begibt sich auf Reisen. Die Devise: Ausgeben statt horten. Er hat sich geschworen, alles anders zu machen als sein Vater. Doch zurück in Berlin findet er nicht mehr in sein altes Großstadtleben zurück.
Von dem verbliebenen Geld unternimmt Meise eine letzte Reise: in die tiefste westdeutsche Provinz - auf ein Weingut im Moseltal. Dort erwartet ihn ein Kulturschock sondergleichen, auf den er nicht vorbereitet ist. Und er muss sich ein paar unbequemen Fragen stellen, die sich nicht mehr beiseite schieben lassen. Wie will ich (nicht) leben, wie will ich (nicht) arbeiten, welche Beziehungen will ich (nicht) führen? Auf dem dörflichen Großereignis des Sommers, dem Weinfest, kommt es schließlich zum großen Showdown.
Tragisch und komisch, mit präzisen Beobachtungen und jeder Menge schwarzen Humor lässt Nagel seinen Helden Meise scheitern - mal an sich selbst, mal an den Anderen.
Ein existenzialistisches Drama im Weißwein-Milieu. Eine wortreiche Abhandlung über Sprachlosigkeit. Fear and loathing im Moseltal.
Die Platte:
Zusammen mit Freund und langjährigem muff potter-Produzent Nikolai Potthoff wurden vier kurze Ausschnitte des Romans musikalisch interpretiert, mit Beats und Melodien unterlegt und auf zehn Zoll Vinyl gepresst.
Bei allen Songs handelt es sich um originale, nicht veränderte Textstellen aus Was kostet die Welt. Vom Jetlaggeplagten Aufwachen in Berlin (5 Uhr 44 aus Kapitel 2), über Ausbruchs- und Gewaltphantasien ineinem Friseursalon in Bernkastel-Kues (Einen Abend Wahnsinn aus Kapitel13) und dem liebevollen Rückblick auf das Kennenlernen seiner Reisebegleitung Verena in der israelischen Mittelmeermetropole (Tel Avivaus Kapitel 6), bis hin zum längsten Track Quality Time aus dem Showdown-auf-dem-Weinfest Kapitel 16, wo Meises gesamter bürgerliche-Welt-Ekel sich in einem paranoiden Hassmonolog entläd.
Eine sehr persönliche Interpretation des NEW ORDER Klassikers Bizarre Love Triangle komplettiert die EP. Folgerichtig, handelt es sich dabei doch um den Lieblingssong von Meise, den er an der Mosel aber nicht hören kann, weil er seinen iPod zuhause in Berlin vergessen hat. Darüberhinaus fungiert das New Order Stück in Was kostet die Welt als das einzig positiv erwähnte Stück Musik, die sonst nur in Form von nervtötenden Handyklingeltöten, unerwünschten Ohrwürmern oder grenzdebiler Top-40-Band Beschallung auftaucht.
»Alle Gesetze des Rausches befolgend, meldet sich als Nächstes das dringende Bedürfnis, gute Musik zu hören.
„Bizarre Love Triangle" von New Order zum Beispiel. Was für ein fantastisches Lied.
„Every time I think of you I feel shot right through with a bolt of blue ... "
Ich weiß nicht mal, was das heißen soll, „a bolt of blue", keine Ahnung,aber das ist ja egal, das ist vielleicht sogar das Schöne daran. Der Song ist größer, als es jede noch so schlaue Aussage jemals sein könnte.Er hat die Macht, sämtliche Stupidität des Daseins zu kompensieren, undeine Melodie, die die Menschheit überleben wird.
„Every time I see you falling I get down on my knees and pray ..."
Was würde ich dafür geben, dieses Lied jetzt hören zu können.«
(Auszug, Seite 255)
Der Autor:
Nagel, geboren 1976 in Nordrhein-Westfalen, war Sänger, Texter und Gitarrist der Band Muff Potter, die sich nach 16 Jahren im Dezember 2009auflöste. Sein Debütroman "Wo die wilden Maden graben" erschien 2007 imVentil Verlag, im Frühjahr 2009 wurde das gleichnamige Hörbuch veröffentlicht, das von Axel Prahl, Farin Urlaub und Nagel gelesen wurde. Im Herbst 2010 erschien sein zweiter Roman "Was kostet die Welt" im Heyne Verlag, im Januar 2011 die musikalische Interpretation davon als 10"/Downlaod auf Audiolith. Nagel schreibt für das Opak-Magazin und ist Bassist bei den Blood Robots.
Stimmen zum Buch:
»Humor ist eine von Nagels großen schriftstellerischen Fähigkeiten. Wenner beispielsweise einen Freund von der Mosel als „Weißwein-Aborigine" bezeichnet, ist man ganz dicht an einer soziokulturellen Zustandsbeschreibung einer ganzen Region. (...)
Letztendlich ist es das grandios inszenierte Scheitern, das Nagel in eine adäquate literarische Form bringt, und das den Roman zu einer der besten Veröffentlichungen des Jahres werden lässt.«
(Thomas Neumann, Literaturkritik.de)
»›Was kostet die Welt‹ ist eine Reise in die scheinbare Normalität; in eine Welt, die sich dem Protagonisten mit guten Gründen im Verlauf als immer fremder und ferner offenbart. Nagel ist eine unterhaltsame, intelligente, mitunter wahnsinnig komische und glücklicherweise nie hämische Geschichte gelungen.«
(Jan Müller, Tocotronic)
»Äußerst runde Sache, hart an der Bürgerlichkeit kratzend, diese aufstemmend und dann fein in die offene Wunde reinscheißend. Geil. Großer Wurf, definitiv.«
(Dirk Bernemann)
»Kann mich nicht erinnern, wann in deutscher Sprache das Ist zuletzt schärfer seziert wurde. Die Sprachbilder sind genauso lässig wie entlarvend, die Handlung ist genauso einnehmend wie fatal. Nagel macht dich fertig, und gerade das liest sich wunderschön.«
(Linus Volkmann)
»Yippie Yippie Yeah, endlich feinsinniger Krawall und Remmidemmi in der Literatur.«
(Hilmar Bender)
»Der Fremdenverkehrsverband Mosel wird dieses Buch wohl eher nicht in seine Liste empfehlenswerter Reiseliteratur aufnehmen. Dafür nehme ich es in meine Liste ´Die besten Bücher übers Scheitern´. Das hier hat ein großes Herz und dabei doch die Faust in der Tasche, spricht Dinge aus, die man sich selbst nicht sagen traut, ist schonungslos, wahnwitzig und einnehmend - und das alles in geschliffener Sprache und einem perfekten Rhythmus.«
(Markus Kavka)
»Was kostet die Welt steigert sich an Intensität von Seite zu Seite, um schliesslich in einer besoffenen Katharsis zu enden. Dieses Buch zu lesen, ist ein bisschen so wie Achterbahn fahren. Man will nicht, dass der Abgrund sich vor einem auftut, freut sich aber irgendwie doch darauf, dass es gleich passiert.«
(Mille Petrozza, Kreator)
„Was kostet die Welt" - ein Leseabend mit Nagel.
27.01.2011 Hagen, Juz
28.01.2011 Bielefeld, Kamp
29.01.2011 Essen, Zeche Carl
31.01.2011 Wien, Aera, Info&Tickets: www.aera.at
01.02.2011 Giessen, Muk
02.02.2011 Wiesbaden, Schlachthof
03.02.2011 Potsdam, Waschhaus
04.02.2011 Magdeburg, Projekt 7
05.02.1011 Braunschweig, Café Riptide
Tickets unter anderem hier: www.ghvc-shop.de
Links:
www.nagel2000.de
Quelle: Pressetext